Bundesweiter Bildungsprotesttag: Tausende gehen für Bildungswende auf die Straße

Von
Sören Stallmeier
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25
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September 2023
|
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In Berlin startete die Demonstration für die Bildungswende vor dem Brandenburger Tor (Quelle: Bildungswende-jetzt!)

Berlin/Köln/München. Deutlich über 20.000 Menschen sind am Samstag in vielen deutschen Städten für eine grundsätzliche Änderung der Bildungspolitik auf die Straßen gegangen. Bereits am 20.09.2023 fand der Auftakt zum bundesweiten Bildungsprotest in Hessen statt, sodass insgesamt von 25.000 Demonstrierenden ausgegangen werden kann. Die Kampagne “Bildungswende Jetzt!” forderte auf dem bundesweiten Demonstrationstag ein gerechteres und inklusiveres Bildungssystem sowie eine bessere Finanzierung. Getragen wurde der Protest von einem breiten Bündnis, aus Gewerkschaften, Bildungsverbänden sowie Eltern- und Schülervertretungen. 

Rund 3.500 Demonstrierenden kamen am Samstagnachmittag allein in Köln zusammen – mit deutlichen Botschaften: “Wenn Schulen Banken wären, hättet ihr sie längst gerettet”, war auf einem der Pappschilder zu lesen. Andere forderten auf Plakaten die “Bildungswende! Jetzt!” oder “Schule zukunftsfähig machen”. Auch in der Rheinmetropole  wurden die Proteste von der Bildungsinitiative “Schule muss anders” organisiert. Philipp Dehne, Bildungsaktivist der Kampagne, erklärt: “Wir erleben gerade eine tiefe Bildungskrise, deren Ausmaß und Folgen vielen Leuten noch nicht bewusst sind”.

Bundesweit wurde in 29 Städten demonstriert. Nach Angaben der Zeit kamen in Berlin rund 7.000 Menschen zusammen, in München und Köln wurden ebenfalls vierstellige Zahlen gemeldet. Auch in anderen Regionen Deutschlands wurde für bessere Bedingungen in Schulen und Kitas demonstriert. Insgesamt haben laut den Veranstaltern 25.000 Personen an den Demos teilgenommen.

“Deutschland steckt in einer der schwersten Bildungskrisen seit Gründung der Bundesrepublik”, kann man auf der Homepage des Bündnisses “Bildungswende Jetzt!”, nachlesen. Bundesweit fehlten hunderttausende Kitaplätze. “Der Mangel an Lehrkräften und Erzieher:innen steigt immer weiter und trifft auf ein veraltetes und unterfinanziertes Bildungssystem, das sozial ungerecht ist”, heißt es im Aufruf.

Das Bündnis wendet sich mit seinem Protest sowohl an die Bundesregierung als auch die jeweiligen Landesregierungen und die Kultusministerkonferenz, denen sie Untätigkeit angesichts der akuten Probleme in der Bildungslandschaft vorwerfen. Die Initiatoren stützen sich auf eine Online-Petition, die mittlerweile von mehr als 90.000 Menschen unterzeichnet wurde. Darin fordern sie unter anderem ein 100-Milliarden-Sondervermögen für Bildung sowie einen Gipfel mit dem Bundeskanzler. Die Bundesländer sollen verpflichtet werden, ausreichend Lehrkräfte auszubilden. Außerdem wird ein Plan gefordert, mit dem hinreichend und gut qualifizierte Kita-Fachkräfte gewonnen werden. Der deutsche Gewerkschaftsbund unterstützt die Proteste und bekräftigt, dass seit mehr als einem Jahrzehnt zu wenig Geld für Bildung ausgegeben wird.

Klaus Hammer von der Bildungsgewerkschaft GEW mahnte, dass der Weg zur Umsetzung der Forderungen noch weit sein werde. Am derzeitigen Sparprogramm der Bundesregierung könne man sehen, dass der Fokus nicht auf Bildung liege. “Wir müssen einen langen Atem haben, und wir haben ihn. Wir müssen eine ‘Wende’ hinbekommen, wo sonst sollen die dringend benötigten und gut qualifizierten Fachkräfte herkommen?”, so Hammer. Die Chancen, dass Bund und Landesregierung auf die Forderungen eingehen, seien schwer vorherzusagen, sagt auch Pascal Groothuis von der Schülervertretung Rheinland-Pfalz. “Wir werden weiterhin Druck ausüben, unsere Stimmen erheben und für eine bessere Bildung kämpfen. Denn wir sind die Zukunft!” 

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