Kita “Anne Frank”: Umbenennung vom Tisch, Rücktrittsforderungen werden laut

Von
Carolin Kunkel
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13
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November 2023
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Symbolbild: Die mögliche Namensänderung der Kita “Anne Frank” zu “Weltentdecker” machte in den vergangenen Wochen Schlagzeilen. (Quelle:  Volkssolidarität)

Tangerhütte. Die Diskussionen zu einer möglichen Umbenennung der Kita “Anne Frank” haben einen Abschluss gefunden. Nachdem sich der Stadtrat bereits in der vergangenen Woche gegen die Namensänderung in “Weltentdecker” ausgesprochen hatte, schloss sich nun auch das Kuratorium der Kita der Entscheidung an. Weltweit hatten die Pläne für Empörung gesorgt, im Zuge der Debatte wurden jetzt Forderungen nach einem Rücktritt des Bürgermeisters der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte laut.

Seit längerem sei bereits ein neues Konzept für die Kita in Sachsen-Anhalt in der Entwicklung gewesen, wie Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) erklärte. In den letzten 14 Monaten sei daraufhin die Idee entstanden, die grundlegende Neugestaltung mit einer Namensänderung zu unterstreichen. Ursprünglich waren die Pläne aufgrund der Einschätzung gefasst worden, dass die Geschichte der Anne Frank für kleine Kinder “ungeeignet” und “schwer vermittelbar” sei. Nach Angaben der Mageburger “Volksstimme” sollte die neue Namenswahl “ohne politische Hintergründe” erfolgen.

In Deutschland, aber auch international, stießen die Pläne zur Namensänderung der Kita auf heftige Kritik. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) äußerte sein Unverständnis, während sowohl das Internationale Auschwitz-Komitee als auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem das Vorhaben kritisierten. Die Pläne sendeten ein "alarmierendes Signal an die Bürger in Ihrer Region". In den sozialen Medien kursierte zudem das Gerücht, dass die Umbenennung auf Druck von Eltern mit Migrationsgeschichte erfolgte. 

Nachdem die Fraktionen des Stadtrats diese Überlegungen in einer gemeinsamen Erklärung letzte Woche abgelehnt hatten, bestätigte nun Bürgermeister Brohm, dass das Kuratorium der Kita die Diskussion beigelegt habe. 

Laut Stadtratsvorsitzenden Werner Jacob (CDU) müsse das Thema jedoch weiter besprochen werden. Mehrere Stadträte forderten bereits seit vergangener Woche den Rücktritt des Bürgermeisters. "Moralisch hat er da komplett versagt und das wird Konsequenzen haben", sagte Jacob. Er betonte nicht nur die öffentliche Wahrnehmung der Umbenennung, sondern stellte auch die Frage nach dem Vermächtnis im Zusammenhang mit dem Namen. "Gerade diese Geschichtsvergessenheit ist der Nährboden für Verschwörungstheorien und Demokratiefeindlichkeit bis hin zum Antisemitismus", betonte er.

Bereits vor zwei Jahren ereignete sich ein ähnlicher Vorfall im thüringischen Elxleben: Aufgrund öffentlicher Empörung, auch vonseiten der Jüdischen Gemeinde, wurde die Kita “Anne Frank” nicht umbenannt.

Die deutsche Jüdin Anne Frank floh 1934 mit ihrer Familie in die Niederlande, wo sie ihr berühmtes Tagebuch im Versteck vor den Nationalsozialisten verfasste. Sie starb 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. 

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