Mit ukrainischen Pädagogen gegen den Lehrermangel in Sachsen

Mit ukrainischen Pädagogen gegen den Lehrermangel in Sachsen

Quelle: Canva

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Tobias Ristok

Dresden. Sachsen gehört zu den Bundesländern, die besonders stark vom Lehrermangel betroffen sind. Nach Angaben des sächsischen Kultusministeriums fehlen aktuell rund 1.200 Lehrkräfte an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen im Freistaat. Besonders akut ist die Situation an Grundschulen und Förderschulen, aber auch an Gymnasien und Berufsschulen gibt es nicht genug Lehrerinnen und Lehrer. Für das Problem Lehrermangel sieht die sächsische Landesregierung nun den Einsatz von ukrainischen Lehrkräften als potenzielle Lösung.

Es gibt deutliche Unterschiede in der Teilzeitquote unter den Lehrerinnen und Lehrern zwischen den Bundesländern. Laut den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes ist die Teilzeitquote unter den Lehrer:innen in Sachsen im Vergleich zu anderen ostdeutschen Bundesländern hoch: In Sachsen arbeiten 40 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer nicht in Vollzeit. Im Schuljahr 2021/2022 waren insgesamt etwa 709.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland tätig, von denen 40,6 Prozent in Teilzeit arbeiteten. In Bremen und Hamburg arbeitete im Schuljahr 2021/2022 mehr als die Hälfte des Lehrpersonals (je 52,4 Prozent) in Teilzeit, während es in Thüringen (21,9 Prozent) und Sachsen-Anhalt (20,7 Prozent) nur gut ein Fünftel war. Brandenburg hatte eine Teilzeitquote von 27,2 Prozent.. Das Kultusministerium in Sachsen setzt die Verringerung dieser Quote als Mittel ein, um Unterrichtsausfälle zu minimieren.

Ukrainische Pädagogen als Allzwecklösung

Sachsen plant, verstärkt Pädagoginnen und Pädagogen aus der Ukraine einzusetzen, um den massiven Lehrkräftemangel abzufedern. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) kündigte an, ihnen ab dem neuen Schuljahr eine dauerhafte Anstellung an sächsischen Schulen anzubieten, um ihnen eine berufliche Perspektive zu eröffnen. Der Einsatz von ukrainischen Lehrkräften könne auch dazu beitragen, den Unterricht abzusichern, da es derzeit schwierig sei, ausreichend Lehrkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden, so Piwarz. Derzeit sind bereits 522 Lehrkräfte und 154 Schulassistenten aus der Ukraine an sächsischen Schulen beschäftigt, die sich hauptsächlich um geflüchtete Kinder und Jugendliche kümmern. Insgesamt lernen derzeit 10.300 ukrainische Schülerinnen und Schüler an öffentlichen und freien Schulen in Sachsen, wobei 535 bereits in herkömmliche Klassen integriert sind. Die Gesamtkosten belaufen sich laut Kultusministerium bislang auf 19,4 Millionen Euro. Bundesweit sind etwa 200.000 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine in deutschen Schulen angemeldet.

Die Gründe für den Lehrermangel sind vielfältig. Einerseits gibt es einen hohen Bedarf an Lehrkräften aufgrund steigender Schülerzahlen und wachsendem Fachkräftemangel. Andererseits haben viele Lehrerinnen und Lehrer in den vergangenen Jahren das Berufsfeld verlassen oder befinden sich kurz vor dem Renteneintritt. Zudem haben die Einschränkungen und Belastungen durch die Corona-Pandemie die Situation verschärft. Für die betroffenen Schulen und die Schülerinnen und Schüler hat der Lehrermangel gravierende Auswirkungen. Viele Klassen können nicht mehr vollständig besetzt werden, es gibt zu wenig Unterricht in bestimmten Fächern und die Qualität des Unterrichts leidet unter dem Personalmangel.

Auch die Belastung der verbleibenden Lehrkräfte ist enorm, da sie oft Mehrarbeit leisten müssen und kaum noch Zeit für individuelle Förderung und Betreuung haben. Die sächsische Landesregierung hat in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken. Dazu zählen unter anderem die Einstellung von Seiteneinsteigern, die Verlängerung von Arbeitsverträgen und die Schaffung von Anreizen für Lehrerinnen und Lehrer, um in Sachsen zu bleiben oder zurückzukehren. Allerdings reichen diese Maßnahmen offenbar nicht aus, um den Lehrermangel langfristig zu beheben.

Experten fordern daher eine bessere Ausbildung und Qualifizierung von Lehrkräften, höhere Wertschätzung des Berufs und bessere Bezahlung. Auch die Digitalisierung und der Einsatz neuer Lehr- und Lernmethoden können dazu beitragen, den Lehrermangel zu mildern und die Qualität des Unterrichts zu verbessern. Insgesamt bleibt der Lehrermangel in Sachsen eine große Herausforderung für das Bildungssystem. Um langfristig gute Bildungschancen für alle Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten, müssen Politik, Schulen und Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam Lösungen finden, um den Lehrermangel zu bewältigen und die Qualität des Unterrichts zu sichern.

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