Nahost-Konflikt: Wie geht man als Lehrkraft mit Schülerfragen um?

Nahost-Konflikt: Wie geht man als Lehrkraft mit Schülerfragen um?

Der Nahost-Konflikt soll zukünftig auch in Schulen thematisiert werden. (Quelle: Pixabay)

Berlin. Wenn die Gewalt im Nahen Osten aufflammt, hat dies auch Auswirkungen für die deutsche Gesellschaft. Nach den Raketenangriffen der radikalislamistischen Hamas auf Israel am Samstag schlägt der Konflikt mittlerweile auch an deutschen Schulen Wellen. Wir blicken auf die hiesigen Ereignisse und liefern euch einige Hilfestellungen zum Umgang mit diesem schwierigen Thema mit euren Schülern.

In einer Neuköllner Schule am Montagmorgen kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen einem Schüler und einem Lehrer. Auslöser war ein 14-jähriger Schüler, der mit einer Palästina-Flagge als Umhang getragen und einem Palästinensertuch um den Kopf zur Schule gekommen war. Mit dem Hintergrund, ihm das Hochhalten der Flagge verbieten zu wollen, kam es zu verbalen Auseinandersetzungen mit dem Schüler. Im Zuge dessen soll sich ein 15-jähriger Mitschüler eingemischt und dem Lehrer einen Kopfstoß zugefügt haben. Laut Polizeiangaben soll der 61-jährige Lehrer ihn daraufhin geschlagen und anschließend selber einen Bauchtritt bekommen haben. Gegen beide Beteiligten wurde eine Anzeige wegen Körperverletzung aufgenommen. Schülerberichten zufolge soll es allerdings keinen Kopfstoß gegeben haben, zu beweisen ist das auch auf dem vorhandenen Videomaterial des Zwischenfalls nicht. 

Es ist nicht der erste Vorfall in Zusammenhang mit dem Lehrer, zwei Wochen zuvor soll er eine Schülerin weinend aus der Klasse rausgeworfen haben, weil diese eine Halskette mit der Palästina-Flagge trug. Ein Sprecher der Bildungsverwaltung gab an, dass die Schule nach dem Vorfall ein Krisenteam eingesetzt hat. Weiter heißt es: „Oberste Priorität für uns hat die Sicherstellung des Schulfriedens. Ein Gutheißen der terroristischen Attacken auf Israel werden wir auf unseren Schulhöfen nicht tolerieren.“ Wie der Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) dem rbb bestätigte, werde die Schule derweil seit Dienstag von Security-Mitarbeitern bewacht, um den Zutritt von Schulfremden zu verhindern.

Ebenfalls am Montag forderte die Bildungssenatorin und amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz Katharina Günther-Wunsch in einer Mail an die Schulleitungen Berlins dazu auf, sich mit den Ereignissen in Israel auseinanderzusetzen und diese im Unterricht zu thematisieren. „Dabei ist zu befürchten, dass manifest oder latent israelbezogener Antisemitismus bei einigen Schülerinnen und Schülern eine Rolle spielt“, so die CDU-Politikerin. „Es ist empfehlenswert, mit den Schülerinnen und Schülern das Gespräch über die Ereignisse zu suchen und ihnen bei der Einordnung zu helfen.“ Dabei soll das Ziel sein, den Schüler:innen zu vermitteln, dass Gewalt keine Konflikte löst, sondern sie weiter verschlimmert. Auch Brandenburgs Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, Schülerinnen und Schüler für das Thema Krieg zu sensibilisieren. Kriegerische Auseinandersetzungen, bei denen Menschen umgebracht werden, müssten in der Schule mehr angesprochen und diskutiert werden. “Das ist das, was wir mit den Schülern thematisieren sollten”, so Freiberg.

Einfach zu erklären ist die Lage in Israel und Gaza für Lehrer:innen allerdings nicht. Insbesondere mit dem Problem des Antisemitismus unter jungen Muslimen fühlen sich Lehrkräfte oft von der Politik alleingelassen. Dass Schüler:innen beim Thema Nahost-Konflikt teils extremistische Haltungen einnehmen und gegen Juden hetzen, gehört zur Realität an Berliner Schulen, berichtet eine Lehrerin auf einer Solidaritätsdemonstration am Samstag. Nicht wenige sind auch persönlich betroffen und haben Familienangehörige in der Konfliktregion. Wie soll das Thema also angegangen werden? 

Informieren! Zumal ist die Suche nach Gesprächen mit den Schüler:innen notwendig. Man kann nicht erwarten, dass sie durch ihr privates Umfeld und ihre Peer-Gruppen das notwendige geschichtliche Hintergrundwissen erhalten, dadurch ist dessen Vermittlung in der Schule von großer Bedeutung. Der Geschichtsunterricht in den Schulen ist in der Regel auf Schüler:innen ohne Migrationshintergrund angelegt und erreicht insbesondere muslimische Jugendliche nicht im notwendigen  Ausmaß. Sie bearbeiten den Nationalsozialismus, Antisemitismus und Holocaust zwar, jedoch fehlt ihnen der persönliche Bezug und das Interesse zum Thema. Benötigt werden unterschiedliche Ansätze, um die Problematik anzugehen und die Schüler:innen für die Thematik zu sensibilisieren. Damit ihr euch entsprechend vorbereiten und eurer Klasse nachweislich korrekte Informationen liefern könnt, haben wir hier einige Materialien und Informationsquellen zusammengetragen:

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