Praxistipps fürs Referendariat - Interview mit Luisa von @kreide.und.kaffee

Das Referendariat ist für viele angehende Lehrer:innen eine stressige Phase in ihrer Ausbildung.

Steht ihr kurz vor dem Vorbereitungsdienst oder seid gerade hineingestartet und fühlt euch noch unsicher? Die ersten Unterrichtsstunden, der Kontakt zu Schüler:innen und anderen Lehrkräften – all das kann sowohl aufregend als auch ziemlich stressig sein. Nach dem theorielastigen Studium wird man als angehende Lehrer:innen regelrecht ins kalte Wasser geworfen. Hilfestellung hierfür bietet unter anderem Luisa auf ihrem Instagram-Account @kreide.und.kaffee. Luisa befindet sich selbst im Referendariat und teilt auf ihrem Kanal neben persönlichen Erfahrungen auch praktische Tipps.

Im Interview mit Lehrer News gibt sie Einblick in ihre Strategien zur besseren Bewältigung des Lehreralltags und Ratschläge für angehende Lehrer:innen.

Lehrer News: Könntest du dich kurz vorstellen und uns erzählen, warum du dich für den Lehrerberuf entschieden hast?

Luisa: Ich heiße Luisa, bin 25 Jahre alt und momentan Referendarin an einer Oberschule im Osten von Brandenburg. Mein Referendariat mache ich seit Februar 2023 und ich habe jetzt im Januar meine Prüfung. Mein Studienseminar ist in Cottbus und ich unterrichte die Fächer Deutsch und Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde in den Klassen 7-10 (Sekundarstufe 1). Ich habe mich für den Beruf entschieden, weil ich diesen unfassbar abwechslungsreich und erfüllend finde. Lehrkraft zu sein ist eine Berufung und ich möchte junge Menschen auf ihrem Weg bestmöglich begleiten, ihnen Werte vermitteln und für sie da sein.

Lehrer News: Vor Beginn des Referendariats sind viele besorgt und fühlen sich unsicher im Hinblick auf die bevorstehende Zeit. Welche Vorbereitungen haben dir geholfen, sicher ins Referendariat zu starten? 

Luisa (Quelle: privat)

Luisa: Die Sorge kann ich teilen. Darüber habe ich mir vor meinem Referendariat ebenfalls Gedanken gemacht. Dennoch bin ich „unvorbereitet“ in den Vorbereitungsdienst gestartet. Ich habe keine extra Literatur gelesen oder Workshops gemacht. Die einzige Vorbereitung, die ich hatte, waren mein Studium und meine Tätigkeit als Vertretungslehrkraft in der Zeit zwischen meinem Master und dem Ref. (4 Monate). Die Praxiserfahrung hat mir wirklich geholfen, da ich schon einige Erfahrungswerte hatte (z.B. Umgang mit Störungen), auf die ich zurückgreifen konnte. Lehren ist definitiv learning by doing.

Lehrer News: Welche Materialien und Utensilien, die du selbst regelmäßig benutzt, sollte jede:r Referendar:in haben?

Luisa: Da gibt es viele Sachen. Ich nutze sehr gern Fächermappen, in denen ich z.B. Materialien für die einzelnen Klassen aufbewahre. Sachen, die ich bewerte, sammle ich außerdem in einzelnen A4- Mappen, dass nichts verloren geht. Zudem habe ich an meinem Schlüsselbund einen AirTag. Ich arbeite digital und brauche deswegen ziemlich viele Adapter und ich habe eine Fernbedienung, mit der ich durch den Raum laufen und trotzdem die Präsentation steuern kann. In meinem Homeoffice habe ich außerdem einen Drucker. Manchmal muss man doch zu Hause drucken und ich bin sehr froh, dass ich mir diesen angeschafft habe. Genauso wie mein Laminiergerät. Eigentlich dachte ich, das sei nur etwas für die Grundschullehrkräfte, aber ich laminiere wirklich viel! Weiterhin nützlich: Korrekturstifte (es muss nicht immer rot sein!), Stempel, Sticker.

Lehrer News: Der Einsatz verschiedener digitaler Medien und Tools im Unterricht wird immer beliebter. Verwendest du selbst welche und wenn ja, wie integrierst du diese in deinen Unterricht?

Luisa: Ich bin ein absoluter Canva-Freak. Canva ist ein Tool, mit dem man alle möglichen Dinge erstellen kann: Präsentationen, Arbeitsblätter, Flyer, Social Media Posts (…). Ich erstelle jede Präsentation mit Canva. Die Plattform bietet viele tolle Vorlagen und man kann Videos, Grafiken, Fotos lizenzfrei nutzen. Alles sieht sehr professionell aus und es hat meine Unterrichtsvorbereitung auf ein neues Level gebracht. Im Deutschunterricht nutze ich außerdem gern Mentimeter und Learningapps.

Lehrer News: Eine ausgewogene Work-Life-Balance während des Referendariats aufrechtzuerhalten kann oft zum Problem werden. Was für Tipps hast du, um besser mit dem Stress umzugehen? Hast du Strategien oder Rituale, die dir persönlich im Alltag dabei helfen?

Luisa: Ja, ich mache viel Sport und merke auch, dass ich das im Alltag brauche, um wirklich abschalten zu können. Des Weiteren lese ich viel und das hilft mir jeden Abend beim Einschlafen. Man braucht meiner Meinung nach unbedingt einen Ausgleich, weil man gern mal Probleme aus der Schule mit nach Hause nimmt.

Lehrer News: Unterrichtsbesuche sind ein wichtiger Teil des Referendariats, für viele bedeuten sie aber viel Stress und Druck, wie vor einer Prüfung. Welche Ratschläge hast du, um die stressige Vorbereitung und die Unterrichtsstunde selbst gut zu bewältigen?

Luisa: Rechtzeitig mit der Planung anzufangen ist essenziell. Außerdem ist es gut, sich bei Hindernissen Feedback einzuholen, z.B. bei Mit-Refis oder Mentoren, aber Achtung zu viele Meinungen sind auch nicht unbedingt hilfreich.

Lehrer News: Manchmal kommt es vor, dass eine vorbereitete Unterrichtsstunde nicht wie geplant verläuft. Wie gehst du mit solchen unvorhergesehenen Situationen im Unterricht um? 

Luisa: In solchen Situationen kann man seine Flexibilität unter Beweis stellen und das sollte eine gute Lehrkraft können. Ich bin selbst ein ruhiger und geduldiger Mensch, daher zunächst: Ruhe bewahren. Keine Entscheidungen überstürzen. Wir arbeiten mit Menschen und da kann theoretisch alles passieren. Manchmal hilft es, kurz die Dinge anzusprechen oder sich mal eine ganze Stunde dafür Zeit zu nehmen.

Lehrer News: Welche Strategien hast du, um Schüler:innen zu motivieren, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen?

Luisa: Ich glaube, es ist wichtig, den Unterricht so lebensnah wie möglich zu gestalten und den Schüler:innen den Sinn hinter den Aufgaben/Themen etc. transparent aufzuzeigen. Eine positive Grundatmosphäre im Unterricht ist ebenfalls notwendig, denn die Schüler:innen sollen sich wohlfühlen, ausprobieren und Fehler machen können. Ich arbeite außerdem viel mit positiver Verstärkung, z.B. in Form von kleinen Lob-Zetteln. Ich versuche, kleine Erfolge zusammen mit den Schülerinnen und Schülern zu feiern.

Lehrer News: Als junge:r Referendar:in kann es schwierig sein, von den Schüler:innen als Respektsperson wahrgenommen zu werden. Was tust du, um ein respektvolles Klima im Klassenraum zu schaffen? Was kannst du anderen Referendar:innen raten, die dabei Probleme haben?

Luisa: Oh ja, das ist nicht immer einfach, aber mit der Zeit wird sich das bessern. Jetzt rückblickend habe ich das Gefühl, dass mich die Schülerinnen und Schüler erst richtig kennenlernen mussten und dann ging es. Ich habe vereinzelt immer noch Probleme damit, aber leider kein richtiges Rezept, um dem zu begegnen.

Lehrer News: Wenn du auf deine bisherige Zeit im Referendariat zurückblickst, welche gewonnenen Erkenntnisse würdest du gerne an dein früheres Ich weitergeben?

Luisa: In den vergangenen 12 Monaten habe ich richtig viel gelernt. Ich fand meinen Vorbereitungsdienst bisher wirklich toll und extrem lehrreich. Ich habe mich sehr stark weiterentwickelt und wurde dabei richtig gut vom Studienseminar begleitet. Ich habe gemerkt, dass nicht immer mein Unterrichtsstoff im Vordergrund steht. Manchmal geht es eher darum, Werte zu vermitteln oder Konflikte zu lösen. Der Stoff ist da zweitrangig und man kann diesen sowieso besser vermitteln, wenn man eine gute Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern aufgebaut hat.

Wollt ihr noch mehr hilfreiche Tipps? Dann schaut gerne bei Luisa auf Instagram unter @kreide.und.kaffee vorbei! Oder stöbert durch unsere Artikel zum Thema Referendariat, in denen wir unter anderem mentale Gesundheit ansprechen oder alles Wichtige zu Steuern und Versicherungen behandeln!


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