#studentsnotproducts – Datenschutzverstöße von EdTechs in der Kritik

Von
Jakob Rittmaier
|
25
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June 2022
|
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Digitale Klassenzimmer und Tools sind während des Homeschoolings in der Pandemie unentbehrlich geworden. Die Softwarelösungen ermöglichen es Lehrkräften ihren Unterricht schnell und unkompliziert von zu Hause aus abzuhalten. Darüber hinaus lassen sich Lerninhalte so spannend und zeitgemäß vermitteln. Die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch hat nun 164 Produkte im Hinblick auf die Einhaltung des Datenschutzes getestet. Das Ergebnis ist erschreckend: 149 der getesteten Applikationen, also 89 Prozent, sammeln offenbar Daten ihrer jungen User:innen.

Schüler:innen kommen um Nutzung von EdTech teilweise nicht herum

Das Tech-Unternehmen an den Nutzerdaten ihrer Kunden verdienen ist kein Geheimnis. Wer beispielsweise in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird das unangenehme Gefühl kennen andauernd mit scheinbar personalisierter Werbung zu gebombt zu werden. An diesen Umstand haben wir uns längst gewöhnt. Seiten wie Instagram und Co. sind kostenfrei, weil wir nun mal mit unseren persönlichen Daten bezahlen. Deutlich schwieriger wird es hingegen bei Programmen, die im Unterricht genutzt werden sollen. Denn hier ist die Nutzung der Software teilweise unvermeidbar, um überhaupt richtig am Unterricht teilnehmen zu können. Dies trifft auch auf einige der betroffenen Programme zu. Human Rights Watch kritisiert dabei insbesondere, dass die betroffenen EdTech-Produkte von 49 Regierungen weltweit gefördert wurden.

Welche Informationen wurden gesammelt?

Human Rights Watch gibt in der Analyse auch einen Überblick über die Art der gestohlenen Daten: So zeichnen die Tools beispielsweise auf, zu welchen Zeitpunkten sich die Schüler:innen in die Apps einloggen und was sie dort machen. Auch die Kontakte zwischen den Schüler:innen werden ausgewertet, genauso von welchem Endgerät aus die Software genutzt wird. Darüber hinaus könnten die Daten mit andernorts gesammelten Informationen kombiniert werden, um beispielsweise Rückschlüsse über Vorlieben oder gar die Persönlichkeit der Nutzer:innen zu ziehen. So lässt sich ein detailliertes Profil über die User:innen erstellen, welches sich zu Werbezwecken nutzen lässt. Ein No-Go für die Organisation: “Kinder sollten in der Schule sicher sein, egal ob vor Ort oder Online,” kommentierte Hye Jung An, Mitarbeiterin im Bereich Kinderrecht bei der Human Rights Watch, die Ergebnisse. Die NRO wirft sowohl den EdTech-Unternehmen als auch den verantwortlichen Regierungen schwere Verletzungen der Persönlichkeitsrechte vor

Betroffene Anwendungen

Alle 149 der betroffenen Produkte und Hersteller aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, deshalb wollen wir hier nur eine Auswahl der bekanntesten Namen auf der Liste geben: Scharf kritisiert wurde unter anderem die Adobe Connect App, eine Anwendung mit der sich Videokonferenzen abhalten lassen. Human Rights Watch entdeckte im Code der Software die Möglichkeit Telefonnummern von Nutzer:innen zu sammeln. Auch in Microsoft Teams und der beliebten Anwendung Moodle finden sich die selben sogenannten SDKs (Software Developer Kits) zum Sammeln von Daten. Human Rights Watch fordert die Regierungen in der Kampagne #studentsnotproducts auf, die Gesetze für den Datenschutz im Bereich eLearning zu verschärfen und Lücken, die einen solchen Missbrauch möglich machen, auszumerzen. Eine wichtige Forderung, da EdTech-Produkte mit der fortschreitenden Digitalisierung des Bildungssektors immer bedeutender werden.

Was sagt ihr zum Bericht? Benutzt ihr eines der betroffenen Produkte im Unterricht? Den kompletten Report der Organisation samt Forderungen zur Verschärfung des Datenschutzes findet ihr hier.

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