Studie: Frauen im Journalismus stark unterrepräsentiert

Von
Tobias Ristok
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April 2023
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Studie: Frauen im Journalismus stark unterrepräsentiert

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Tobias Ristok

Berlin. Das Projekt ”Wer Macht Meinung?” hat sich zum Ziel gesetzt, die Vielfalt im deutschsprachigen Journalismus zu fördern, sowohl in Bezug auf die behandelten Themen als auch auf die Zusammensetzung der Redaktionen. Die Kampagne wurde von Jeannette Gusko, Kübra Gümüsay, Salsabil Hamadache, Elisa Harlan, Julia Kloiber und Cecilia Palmér initiiert und ist eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen gemeinnützigen Organisationen, darunter future_s und SUPERRR Lab. Die Gruppe hat monatelang Daten gesammelt, analysiert und visualisiert, um die Ergebnisse auf der Website zu präsentieren. Durch die Veröffentlichung dieser Ergebnisse hoffen sie, eine Debatte anzuregen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Vielfalt im Journalismus zu verbessern.

Im Rahmen der Untersuchung wurden drei Stichproben durchgeführt und dabei fast 15.000 Artikel aus den Jahren 2021, 2022 und 2023 analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass lediglich 20 Prozent der untersuchten Artikel von Frauen verfasst wurden, während 52 Prozent von Männern stammen. Die durchgeführte Analyse über alle Medien hinweg zeigt, dass insgesamt mehr Männer als Frauen als Autor:innen tätig sind. Keines der untersuchten Medien wies eine ausgewogene Geschlechterverteilung bei den veröffentlichten Artikeln auf, mit Ausnahme der ZEIT. Besonders auffällig war der extrem niedrige Frauenanteil von nur 14 Prozent bei den analysierten Artikeln des Online-Angebots der BILD-Zeitung.

Obwohl die taz von drei Frauen geleitet wird, sind bei dieser Zeitung über die Hälfte der Artikel (58 Prozent) von männlichen Autor:innen verfasst, während Frauen nur knapp 28 Prozent der ausgewerteten Artikel schreiben.

Selbst das Mittelfeld der untersuchten Medien schneidet nicht gut ab. Der Frauenanteil bei der SZ, FAZ und SPON liegt lediglich zwischen 19 Prozent und 23 Prozent aller Autorinnen, was bedeutet, dass nur etwa jede vierte bis fünfte Autor:in weiblich ist.

Es ist wichtig zu betonen, dass sowohl Bild.de als auch Spiegel.de (SPON) unter den Top 5 der reichweitenstärksten Nachrichtenseiten in Deutschland sind. Ihre Artikel werden von Millionen Menschen gelesen und haben somit einen bedeutenden Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung. Trotz manueller Auswertung konnten viele Artikel nicht eindeutig dem Geschlecht ihrer Autorinnen zugeordnet werden. Dies betraf bei allen untersuchten Medien zwischen 10 und 28 Prozent der ausgewerteten Artikel. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zum einen wurde in einigen Fällen ausschließlich auf Agenturmaterial zurückgegriffen, bei dem lediglich Kürzel wie "dpa" oder "afp" angegeben und keine Namen genannt wurden. Zum anderen waren in manchen Fällen die Autorinnen-Kürzel nicht eindeutig zuzuordnen oder es wurde als Verfasser schlichtweg "die Redaktion" angegeben.

Diese Recherche zeigt: In den Redaktionen deutscher Medien herrscht eine eklatante Schieflage in Bezug auf das Geschlechterverhältnis. Nur jede vierte bis fünfte Autor:in ist eine Frau. Besonders auffällig ist die geringe Anzahl weiblicher Autorinnen bei BILD.de mit lediglich 14 Prozent. Dieser Zustand ist laut “Wer Macht Meinung?” inakzeptabel und eine Gefahr für unsere Demokratie. Denn nur mit vielfältigen Perspektiven kann eine Gesellschaft in ihrer ganzen Komplexität differenziert berichtet werden. Weiterführend müssen Maßnahmen ergriffen werden, um mehr Vielfalt in den Redaktionen zu fördern und somit die Handlungsfähigkeit der Medien zu stärken.

“Wer Macht Meinung?” rufen alle Medienhäuser, Zeitungen und Newsrooms dazu auf, transparenter zu sein und ihre Daten bezüglich der Geschlechterrepräsentation in ihren Artikeln zu veröffentlichen. Sie fordern uns gleichzeitig auf, sich aktiv mit Diversität in der eigenen Berichterstattung auseinanderzusetzen, verschiedene Perspektiven zu fördern und zu unterstützen sowie sich kontinuierlich selbstkritisch zu hinterfragen.

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