Fortbildungen für den besseren Umgang mit Verschwörungen und Falschnachrichten: Im Gespräch mit Tim Dombrowski

Gepostet von
Kay Schuh
|
29
.
March 2022
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Fortbildungen für den besseren Umgang mit Verschwörungen und Falschnachrichten: Im Gespräch mit Tim Dombrowski

Tim Dombrowski ist Journalist und Medienbildungsexperte, außerdem leitet er den Bildungsverein “Digitaler Kompass” . Dieser setzt sich besonders dafür ein, Medienkompetenzen zu vermitteln und darüber aufzuklären, wie Falschmeldungen besser erkannt werden können. Zudem ist Tim Dombrowski Netzwerkkoordinator bei “Lie Detectors” und organisiert hier das österreichische Netzwerk zwischen Journalist:innen und Schulen.

„Digitaler Kompass” ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für Medienkompetenz in Europa einsetzt. Dafür wird an der Schnittstelle von Pädagogik, wissenschaftlicher Forschung und Journalismus innerhalb und außerhalb des Bildungssystems gearbeitet, um die Vision eines sozialen Wandels hin zu einer redaktionellen Generation voranzutreiben. Einer Generation von Heranwachsenden, die journalistische Grundtechniken erlernt hat und Informationen im digitalen Raum selbstständig auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht. Sie trifft mündige demokratische Entscheidungen und weist den Weg in einen künftigen faktenbasierten Diskurs im Sinne des Gemeinwohls. Für dieses Ziel bietet Digitaler Kompass zahlreiche Weiterbildungsangebote für Schüler:innen und Lehrer:innen, betreibt wissenschaftliche Forschung und etabliert journalistische Vorbilder auf TikTok und Instagram.

Lie Detectors” ist ein Nachrichten-Kompetenz Projekt, welches Schulkindern und Lehrkräften die notwendigen Kompetenzen vermitteln soll, um Nachrichten und soziale Medien besser zu verstehen bzw. zwischen wahr und falsch selbst unterscheiden zu können. Zudem werden im Rahmen der Initiative europaweit Netzwerke zwischen Journalisten und Schulen hergestellt. Lehrkräfte und Bildungspolitiker:innen werden ermutigt, sich durch fortlaufende öffentliche Vorträge für die Einbeziehung von Nachrichtenkompetenz in die Lehrpläne an pädagogischen Hochschulen und Schulen einzusetzen.

Besonders in Zeiten wie diesen kursieren viele Falschmeldungen, was besonders für jüngere Leute oftmals schwer zu durchschauen ist. Über die ZDB bietet Tim Dombrowski zwei Fortbildungen in genau diesem Gebiet an, um Lehrkräfte und deren Schüler:innen für den Umgang mit Desinformationen und Verschwörungstheorien zu sensibilisieren.

Folgendes sind die genannten Fortbildungen:

Falschnachrichten und Verschwörungstheorien – Tipps für die Umsetzung im Unterricht (1,5h)

Zu sehen ist eine Beschreibung der Fortbildung.

Falschnachrichten und Verschwörungstheorien – Tipps für die Umsetzung im Unterricht (3h)

Zu sehen ist eine Beschreibung der Fortbildung.

In folgendem Interview spricht Tim Dombrowski über die Inhalte und Durchführung seiner Fortbildungen und legt seine Meinung zu der derzeitigen Umsetzung von Medienkompetenzen in der Schule dar.

Lehrer News: Könntest du ein bisschen über dich selbst erzählen. Wer du bist und wie du dazu gekommen bist, deine Fortbildungen anzubieten?

Dombrowski: Grundsätzlich komme ich aus den Kommunikationswissenschaften, die ich in Wien studiert habe, und aus dem Journalismus. Beides Themenfelder die durch die Digitalisierung damals und heute immer noch einem starken Wandel unterworfen sind. In diesem Spannungsfeld habe ich zusammen mit einem Studienkollegen die Bedeutung der Informationskompetenz für die Bildungslandschaft des 21. Jahrhunderts erkannt. Wir haben dann 2016, noch lange bevor das Wort „Fake News“ überhaupt in den Diskurs getreten ist, die Organisation Digitaler Kompass gegründet.  Am Anfang sind wir ohne wirkliches Konzept und ziemlich hilflos vor der Klasse einer befreundetet Lehrerin gestanden. Heute arbeiten wir mit 15.000 Schüler:innen im Jahr und verfolgen die Vision einer redaktionellen Generation.

Einer Generation die nicht nur auf Instagram, Twitch oder TikTok selbst zum Sender geworden ist, sondern die auch die Vielzahl an Informationen im digitalen Raum selbstständig auf ihren Wahrheitsgehalt untersuchen kann. Dafür arbeiten wir mittlerweile auf 3 Ebenen. In der Bildung bieten wir Workshops, E-Learning-Materialien und Webinare für Schüler:innen, Lehrer:innen und Bildungseinrichtungen an. Hier freuen wir uns auch über die Kooperation mit Zukunft digitale Bildung. In der Wissenschaft arbeiten wir mit renommierten Forschungsinstituten  zusammen, um den Impact von Medienpädagogischen Methoden zu verbessern und unsere Bildungsprodukte stetig weiterzuentwickeln. Unser neuestes Projekt heißt „BAIT“ ein Faktencheck Kanal auf Instagram und TikTok für 13-19-jährige, direkt in ihrer Lebenswelt.

Lehrer News: Du beschäftigst dich ja besonders viel mit Desinformationen und Verschwörungstheorien, wo genau legst du bei der Vermittlung dieser Themen den Schwerpunkt?Auf was legst du besonders viel wert?

Dombrowski: Wir haben für beide Themenfelder spezifische Leitlinien ausgearbeitet, die sich über die Jahre bewährt haben und die wir durch unsere Forschungsabteilung durchgängig evaluiert werden. Ein Beispiel für eine solche Leitlinie wäre zum Beispiel die Medienrealität der Jugendlichen zu kennen und mit ihr zu arbeiten. Auf TikTok beispielsweise kursieren andere Ausprägungen der Falschinformationen als auf Facebook. Ohne dieses Wissen kann man Jugendlichen nur schwer helfen.

Ein anderes Beispiel wäre es ein Problembewusstsein für die eigene Vulnerabilität für „Fake News“ im digitalen Raum zu schaffen. Das Problem der Desinformation ist ein im Alltag schwer greifbares, das gilt sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene. Wir alle denken, dass es sich um ein gesellschaftlich dringliches Problem handelt, zeitgleich schieben wir es aber von uns persönlich weg und gehen davon aus, dass wir selbst Falschinformationen ohne Probleme erkennen können. Ein ähnliches Paradoxon wie bei Fernsehwerbung, bei der niemand wirklich glaubt, dass sie einen persönlich beeinflusst. Man kann aber davon ausgehen, dass Unternehmen nicht Millionenschwere Etats für Werbung ausgeben würden, wenn Sie sich nicht in ihren Verkaufszahlen widerspiegeln würde.

Lehrer News: Wie baust du deine Workshops auf, sodass sie für Lehrkräfte besonders attraktiv werden? Wie läuft dabei die Organisation und Durchführung ab? Gibt es inhaltliche Details, die besonders gefragt sind?

Dombrowski: Ich glaube bei diesem Punkt, geht es vor allem um Interaktivität und Abwechslung. Das ist vor allem im digitalen Setting wichtig und wir arbeiten mit unterschiedlichsten Abstimmungsmöglichkeiten, um Partizipation zu ermöglichen. Im inhaltlichen Bereich wollen wir vor allem, Lehrkräften konkrete Hilfestellungen und Methoden an die Hand geben, mit denen Sie selbstständig die Themenfelder in ihren eigenen Unterricht tragen und behandeln können. Aus unseren Workshops soll man immer mit einer konkreten Idee für den eigenen Unterricht gehen.  

Lehrer News: Inwiefern findest du deine Fortbildungsthemen, besonders mit dem heutigen Stand der Digitalisierung, wichtig? Warum meinst du sollten gerade Lehrkräfte ihre Schüler:innen damit konfrontieren?

Dombrowski: Das Problem der Desinformation hat es natürlich schon immer gegeben, der digitale  Raum hat aber Verbreitungsmöglichkeiten geschaffen, die als Katalysator die Problematik deutlich verstärken. Jetzt, mit aufkommenden geopolitischen Spannungen, wird sich die Situation auch eher noch verschärfen. Wir brauchen also einen ganzheitlichen, langfristigen Ansatz und die Macht von Bildung und Wissen, um uns hier zu rüsten und Resilient zu sein. Dementsprechend sind Lehrkräfte als die tragenden Säulen der innergesellschaftlichen Wissensvermittlung unabdingbar um diese Ziele erreichen zu können.

Lehrer News: Nachrichtenkompetenz spielt in deinem Berufsleben ja eine sehr große Rolle. Findest du, dass dieser Schwerpunkt auch im Schulunterricht mehr aufgegriffen werden sollte?

Dombrowski: Absolut. Und das sehen die Lehrkräfte in Europa auch so. Wir haben dazu zusammen mit einer europäischen NGO eine Studie gemacht und ganze 80 % der befragten Lehrkräfte in 3 europäischen Ländern haben angeben, dass Sie Nachrichtenkompetenz für besonders wichtig erachten. Zeitgleich haben aber weniger als die Hälfte es tatsächlich mit ihren Klassen behandelt. Dafür gibt es diverse Gründe und hier gilt es strukturell die Möglichkeiten und die Unterstützung zu bieten, damit Lehrkräfte das Thema auch selbstständig umsetzen können.

Habt ihr schonmal bei einer unserer Fortbildungen teilgenommen? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen! Hier findet ihr Artikel über weitere Fortbildungen.

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