Zugewanderte Lehrkräfte: Bertelsmann Stiftung fordert Abbau von Hürden

Von
Carolin Kunkel
|
23
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November 2023
|
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Zugewanderte Lehrkräfte könnten wertvolle Perspektiven an deutsche Schulen bringen. (Quelle: Canva)

Anerkennungshürden für ausländische Abschlüsse bleiben weiterhin eine Herausforderung für die Integration von zugewanderten Lehrkräften ins  deutsche Schulsystem. Die Bertelsmann Stiftung hat hierzu in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteur:innen ein  Impulspapier mit konkreten Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Zugewanderte Lehrkräfte könnten demnach neue Perspektiven und Potenziale für deutsche Schulen bieten.

Derzeit werden vier von fünf Lehrkräften mit ausländischen Abschlüssen nicht beschäftigt. Dies liege vor allem an den bestehenden Hürden wie einer langwierigen formalen Anerkennung, dem Erfordernis von zwei Unterrichtsfächern und mangelnder Berücksichtigung von vorhandener Berufserfahrung. Vor allem das Nachstudieren eines zweiten Fachs stelle sich oftmals als unrealistisch heraus, da Familie und die Abhängigkeit von Erwerbseinkünften dies verhindern würden. Das Impulspapier empfiehlt die Beschleunigung von Anerkennungsverfahren, die Würdigung von Berufserfahrung und die Schaffung von Perspektiven für Lehrkräfte mit einem Fach. Die Autor:innen kritisieren: “Anerkennungsverfahren dauern zu lange, berücksichtigen Berufserfahrung nur unzureichend und führen aufgrund des Erfordernisses von zwei Fächern zu selten zu einem auflagenfreien Bescheid.”

Obwohl die deutsche Bundesregierung ihre Bemühungen als Teil der Fachkräftestrategie intensiviert, Lehrkräfte mit ausländischen Abschlüssen besser in das deutsche Bildungssystem zu integrieren,  ist die Anerkennung von Abschlüssen und deren Beschäftigung Ländersache. Einige Bundesländer, darunter Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, planen bereits, ausländische Abschlüsse schneller anzuerkennen und Lehrkräfte bei der Eingliederung besser zu unterstützen. 

Zusätzlich fordern die Autor:innen die Weiterentwicklung und Verbreitung von Unterstützungsprogrammen wie “Lehrkräfte Plus”, das von der Bertelsmann Stiftung mitinitiiert wurde, um Unterstützung für den erneuten Berufseinstieg zu gewährleisten. Außerdem sollen langfristige Perspektiven für Lehrkräfte mit ausländischen Abschlüssen geschaffen werden, indem weitreichende Strategien für eine chancenorientierte Schule in der Einwanderungsgesellschaft entwickelt werden. Die Bertelsmann Stiftung und weitere Akteur:innen betonen, dass der Lehrkräftemangel nicht nur eine Herausforderung darstelle, sondern auch die Chance biete, das Potenzial dieser Lehrkräfte zu erkennen und einzusetzen.

Im Vergleich zu Schüler:innen, bei denen 39 Prozent einen Migrationshintergrund haben, betrage der Anteil bei Lehrkräften lediglich 13 Prozent. Die Ausrichtung auf das Potenzial zugewanderter Fachkräfte wird als Chance für eine schulische Entwicklung betrachtet, die Vielfalt fördert. “Werden sie [Lehrkräfte mit ausländischen Abschlüssen, Anm. d. Red.] auf dem Weg so begleitet, dass sie den Wechsel von einem ins andere System gut reflektieren und Stärken aus ihrer Biographie als solche erkennen, können sie sie auch in Schule in Deutschland als solche einsetzen – ebenso wie die Mehrsprachigkeit, die, begleitet durch eine Aufwertung des herkunftssprachlichen Unterrichts, als Ressource für das Lernen der Schüler:innen genutzt werden kann”, heißt es in dem Papier.

Insgesamt zeige sich, dass die Bemühungen um die Integration zugewanderter Lehrkräfte nicht nur eine Antwort auf den Lehrkräftemangel darstellen, sondern auch Möglichkeiten bieten könnten, vielfältige Potenziale für deutsche Schulen zu erschließen.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußerte sich grundsätzlich positiv über die Impulse der Bertelsmann Stiftung, die in Richtung einer erleichterten Anerkennung von ausländischen Abschlüssen und einer schnelleren Integration von zugewanderten Lehrkräften in den Schuldienst gehen. Bereits vor zwei Jahren hatte die GEW in ihrer Studie “Verschenkte Chancen?!” auf die komplizierten und langwierigen Anerkennungs- und Einstellungsprozesse zugewanderter Lehrkräfte aufmerksam gemacht. 

Die Vorsitzende der GEW, Maike Finnern, kritisiert jedoch auch die noch bestehenden Hürden im Anerkennungsprozess trotz erkannten Potenzialen und die Auflagen zur Nachqualifizierung, die ein mehrjähriges Aufbaustudium erfordern. Aktuell erhalten zugewanderte Lehrkräfte “befristete Verträge als pädagogische Assistenzen oder werden als sogenannte ‘Nicht-Erfüller:innen’ eingestellt und schlechter bezahlt – ohne adäquate Weiterbildungsangebote und Aussicht auf Gleichstellung ihrer Qualifikation“, so die GEW-Vorsitzende. Daher fordert die GEW klare Zugangsvoraussetzungen, flexible Eintrittswege in den Schuldienst und Anerkennung im Ausland erworbener Abschlüsse, auch mit nur einem Fach. Deutschland sei zwar auf die migrierten Lehrkräfte angewiesen, es dürfe “sie jedoch nicht nur als ‚Ressource‘ betrachten, sondern muss ihnen faire Chancen und verlässliche Perspektiven für eine qualifikationsadäquate Beschäftigung bieten!”, betont Finnern.

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