Bis zu 27.000 fehlende Lehrkräfte in Baden-Württemberg

Von
Luisa Janosch
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March 2023
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Stuttgart. In der aktuellen Schulpolitik ist der Lehrermangel ein hitziges Thema, auch in Baden-Württemberg. Überall fehlt es an Fachkräften, und auch die Prognose ist düster. Aktuell gibt es ca. 5000 Schulen - bis 2035 sollen laut Angaben 16.000 bis 27.000 Lehrer:innen an den Schulen Baden-Württembergs fehlen. Die politischen Meinungen gehen auseinander, wie mit dem massiven Lehrermangel umzugehen sei. Mehr in diesem Artikel bei Lehrer-News. 

Landesweit 81.000 fehlende Lehrkräfte bis 2035 - zu diesem Ergebnis kommt eine Ende Januar durchgeführte Studie des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm, die vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Auftrag gegeben wurde. In drei Jahren seien es bundesweit 45.000 unbesetzte Stellen. Bis 2030 soll die Anzahl der fehlenden Lehrkräfte auf 81.000 ansteigen. Hinzu kommt ein Bedarf von ca. 74.000 Lehrkräften für Schulen in schwierigen sozialen Lagen oder Ganztagsbetreuung. 

Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte jüngst die baden-württembergische Landesregierung zum Handeln auf. "Das sind erschreckende Zahlen", so die GEW-Landeschefin Monika Stein am Freitag in Stuttgart zu den Zahlen des aktuellen Lehrkräftemangels. Es müssen neue Studienplätze und Stellen geschaffen werden. So könne die Regierung eigene Fehler aus der vergangenen Zeit ausgleichen und einen langfristigen Lehrkräftemangel verhindern. Stein nennt gezielte Maßnahmen: “Mehr sofortige Studienplätze für Grundschulen und Sonderpädagogik, eine Werbekampagne des Landes für die Ausbildung zum Lehrerberuf und eine Enquête-Kommission zum Fachkräftemangel im Bildungsbereich.”  

Baden-Württembergs Bildungsministerin Theresa Schopper (Grüne) zeigt sich von den Ergebnissen wenig beeindruckt. Laut Schopper seien bereits Maßnahmen ergriffen worden. “Wir haben die Studienkapazitäten in den Lehrämtern erhöht, die von dem Mangel an Lehrkräften besonders betroffen sind, und wir nehmen auch über die Kapazitätsgrenzen hinaus Studienanfänger in den Lehrämtern auf." Sie betont zudem, dass ein Studium plus Referendariat seine Zeit brauche. Quereinsteiger mit entsprechender Berufsausbildung, wie Sozialpädagog:innen, sollen zusätzlich einspringen und entlasten. Kollege und Grünen-Bildungsexperte Thomas Poreski stimmt Schopper zu: Seit Jahren werden die Zahlen der Studienplätze erhöht. ”Weder der Ausruf eines vermeintlichen Notbetriebs noch Lösungsvorschläge, die das Problem eher verschärfen würden, würden helfen. Denn wenn wir auf das System Schule eindreschen, gewinnen wir sicher keine neuen Lehrkräfte." 

Die Opposition im Landtag übt ebenfalls Kritik aus. Stefan Fulst-Blei (SPD) sagt, dass das Land mit Zahlen kalkuliere, “die jeglichen Anspruch an Reformen und Verbesserungen vermissen lässt”. Ihm ginge es nicht darum, diesen mangelhaften Zustand zu erhalten, sondern vielmehr darum, die Schulen für die Zukunft besser aufzustellen. Der aktuelle Ausbau der Studienkapazitäten sei laut Fulst-Blei nur ein "Tropfen auf den heißen Stein.”

Es müsse mehr für die Bildung getan werden, forderte auch der Vorsitzende des Landeselternbeirats Baden-Württemberg, Michael Mittelstaedt. So unterschreibt er Fulst-Bleis Aussage und sieht dem Fortschritt in Sachen Lehrermangel und den geplanten 500 neuen Lehrkräften bis 2024 eher wie folgt entgegen: "Das verpufft und davon bekommt letztendlich keiner etwas mit.” 

Auch Baden-Württemberg wird von dem akuten Lehrkräftemangel nicht verschont. Die Meinungen in der Politik sind gespalten. Das Thema bleibt aktuell. Es bedarf langfristig Maßnahmen, wie man dem Fachkräftemangel entgegenwirken kann. 

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