IQB-Bildungstrend zieht ernüchternde Bilanz

Von
Erik Schimpf
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November 2022
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Berlin. Der diesjährige Bildungstrend des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) zieht in der Gesamtheit der Ergebnisse eine ernüchternde Bilanz und sieht weiteren Handlungsbedarf, um Leistungsunterschiede zwischen Schüler:innen der einzelnen Bundesländer anzupassen. Diese Ungleichheit zeigt sich zum Beispiel bei der Kompetenz Lesen im Fach Deutsch. Der Mittelwert für das Schuljahr 2021 liegt hier bei 471 Punkten, 2016 waren es noch 493 von maximal 500 zu erreichenden Punkten. Bremen und Sachsen liegen im Vergleich bei der  Kompetenz Lesen ein Jahr auseinander. Zudem gaben im Fach Deutsch 18 Prozent und im Fach Mathematik  23 Prozent an, eine hohe Ängstlichkeit im Bezug auf die Leistungsanforderungen zu erleben. Der Anteil der Schüler:innen, die den Mindeststandard nicht erreichen, hat in teilweise allen Kompetenzbereichen deutlich zugenommen. 

Der Bildungstrend  sieht  negative Faktoren unter anderem in der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Folgen wie Schulschließungen, Wechselunterricht und Distanzlernen. Die Lernbedingungen, die räumliche und technische Ausstattung der Schüler:innen in dieser Zeit variierten stark und hätten den Lernerfolg sogar negativ beeinträchtigt. Gerade  für Kinder mit Zuwanderungshintergrund der ersten Generation, die selbst im Ausland geboren sind, fallen die Kompetenzeinbußen überwiegend größer aus als bei Kinder ohne Zuwanderungshintergrund. Besonderes Augenmerk gilt für die Sicherung der Mindeststandards und für Schüler:innen, die aus weniger privilegierten Familien kommen und einem höherem Risiko ausgesetzt sind, abgehängt zu werden. 

Die Diversität  und Heterogenität der Schüler:innen in Deutschland  hat sich seit 2016 erheblich verändert. Der Schulunterricht gestaltet sich zunehmend inklusiver, was auch eine Herausforderung für Lehrkräfte darstellt. Der IQB-Bildungstrend sieht unabhängig von den pandemiebedingten Problemen einen negativ Trend in Bezug auf das Erfüllen der Mindestanforderungen, welcher sich schon zwischen 2011 und 2016 entwickelte. Der Bildungstrend kommt zu der Empfehlung, dass Kinder schon in der Kita gezielter durch verbindliche Diagnostik des Sprachstandes und darauf bezogene verbindliche Förderung mit evidenzbasierten Programmen unterstützt werden sollten. Die 16 Bundesländer nutzen dabei fast genauso viele unterschiedliche Diagnostikverfahren. Die bundesweit geltenden Mindeststandards der KMK sollten, laut Empfehlung, genauer ausgearbeitet und ihre Rolle als Grundlage der Qualitätsentwicklung in Schulen deutlich gestärkt werden.

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