Keine Lehre ohne Lehrer: Lehrermangel in Sachsen-Anhalt

Gepostet von
Erik Schimpf
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9
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December 2022
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Keine Lehre ohne Lehrer: Lehrermangel in Sachsen-Anhalt

Magdeburg. In Sachsen-Anhalt herrscht, wie auch in anderen Bundesländern, ein Defizit an Lehrer:innen. Die Unterrichtsversorgung stagniert auf 93,5 Prozent und ist somit auf einem ähnlich niedrigen Wert wie im Vorjahr. Die negativen Folgen, die sich für Schüler:innen daraus ergeben werden, sind nur ansatzweise abzusehen. 

„Dass die Lage an Sachsen-Anhalts Schulen durch den bundesweiten, enormen Lehrkräftebedarf weiter angespannt ist und vorerst bleibt, liegt auf der Hand. Allerdings konnten wir den Durchschnittswert der Unterrichtsversorgung binnen eines Jahres in etwa halten. Und das, obwohl durch den Krieg gegen die Ukraine und andere Migrationsbewegungen jetzt mehr als 5.500 Kinder zusätzlich an Sachsen-Anhalts Schulen unterrichtet werden“, so die Bildungsministerin von Sachsen-Anhalt, Eva Feußner. Gegenüber der Magdeburger Volksstimme erklärte die Ministerin in einem Interview, dass mit einer Entlastung der Unterrichtsversorgung auf 103 Prozent voraussichtlich in den 2030er Jahren gerechnet werden könnte. Die maximale Abdeckung aller Unterrichtsfächer unter anderem, wenn Lehrer:innen beispielsweise durch Krankheit ausfallen, kann erst ab diesem Wert erreicht werden. Der Fokus liegt nun auf dem Ausbau der Lehrkräftegewinnung und der Situation am Fachkräftemarkt, die sich als kompliziert erweist. Die aktuelle Reaktion des  Bildungsministeriums, um der Mangelversorgung entgegenzuwirken, ist eine dauerhafte Bewerbungsmöglichkeit und erleichterte Zugangsvoraussetzungen für Quereinsteiger als Lehrkraft. Darüber hinaus sollen zur besseren Vergütung Arbeitszeitkonten und ein Zuschlags- und Zulagensystem für bestimmte Stellenangebote eingeführt werden. In einem Artikel mit dem Thema „Gedanken zum Lehrkräftemangel in Sachsen-Anhalt” schrieb der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Torsten Wahl dazu “Diese Arbeitszeitkonten konnten durch Einmalzahlung (und einen nahezu 50 Prozent ,Verlust’), durch monatsweises Auszahlen oder durch Freizeit abgegolten werden. Letzteres erwies sich im Bereich der Sekundarschulen als sehr schwierig.” 

Zur Leherkräftegewinnung sollen zudem die Arbeit mit sogenannten Personalrekrutierungs-Agenturen intensiviert werden, diese werben im In- Ausland für Sachsen-Anhalts Schulen. Knapp 750.000 Euro sollen in die beauftragten Headhunter-Agenturen investiert worden sein, rund 10.000 Euro pro Kopf für jede eingestellte Lehrkraft. Ab 2023 soll der Betrag für die Agenturen auf eine Million Euro aufgestockt werden. Anreize für Lehramtsstudierenden soll die Anhebung der Besoldungsstufe auf A13 bieten. „Einige der Maßnahmen benötigen Zeit, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten. Andere wirken bereits kurzfristig und helfen, in diesen für alle schwierigen Zeiten positiv nach vorne zu blicken. Mein Dank und meine Wertschätzung gelten dabei natürlich den Lehrkräften und Schulleitungen, den Pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Eltern, den Schülerinnen und Schülern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landesschulamtes und des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) – für Kraft, Durchhaltevermögen und Verständnis.“ so die Bildungsministerin weiter.

In einem Modellprojekt 4+1 an zwölf Sekundar- und Gemeinschaftsschulen schlägt das Bildungsministerium Landes Sachsen-Anhalt eine 4-Tage-Woche vor. Der fünfte Tag soll für Praktika in Betrieben oder für den digitalen Unterricht genutzt werden. Der Modellversuch soll Schulen mehr Spielraum bei der Unterrichtsplanung und -durchführung geben. Das Landesschulamt und das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung sollen das Projekt dabei begleiten und evaluieren. Eine genaue Umsetzung, Planung und individuelle Lösungsansätze sowie die Ressourcenbeschaffung für den hybrid Unterricht, die Zeiteinteilung und Betreuung der Kinder und Jugendlichen für die einzelnen Schulen wird hierbei nicht berücksichtigt. „Das vorgeschlagene Modell ist amtlich sanktionierter Unterrichtsausfall und wälzt das Problem des Mangels auf die Schulen selbst ab, die ohne erkennbare Unterstützung mal eben nebenbei ein solches Projekt umsetzen sollen,“ sagt Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt. 

Nun soll im Januar 2023 ein Schulgipfel mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), geplant werden. Anlass sei laut der oppositionellen Linksfraktion der massive Druck von Eltern, Lehrern und Schulleitung, die in Brandbriefen die inakzeptablen Bedingungen an einzelnen Schulen angeprangert hätten. Die Landesvorsitzende der GEW-Sachsen-Anhalt, Eva Gerth, mahnte, dass die Gespräche unter anderem zur Lehrerausbildung umfangreich vorbereitet und besprochen werden müssten.

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