Kommentar: Warum eine Prämie uns nicht entgegenkommt, sondern uns zusammenstoßen lässt

Von
Franziska Bach
|
12
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December 2022
|
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Kommentar: Warum eine Prämie uns nicht entgegenkommt, sondern uns zusammenstoßen lässt

Das Instagram-Lehrerzimmer wirkt überrascht. Geschickt verpackt und pünktlich zur Weihnachtszeit unterbreitet Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) die Idee eines Belohnungssystems zur Einfuhr erstrebenswerter Leistungsprämien für Lehrende zum Wohle der Zukunft unseres Bildungssystems.

Damit richtete sie sich vor allem an jene, die sich mit Motivation und besonderem Engagement zum Prädikat auszeichnen möchten und lockt mit monetären Anreizen in Krisen. Aber in welche Richtung werden die Weichen gestellt, wenn die Zeit am Kind berechnend wird?

Denken wir an den klassischen Leistungsbegriff während der Ausbildungszeit, erinnern wir uns: Leistung kommt durch Anstrengungsbereitschaft. Watzinger bewirbt dieses Konzept nun in neuem Glanz und reagiert damit vermutlich auf eingebrochene Schulleistungen, womit Lehrende implizit für Bildungslücken mitverantwortlich gemacht werden. Füllen wir diese auf, hebe das auch unsere Anerkennung, durch Anerkennung in Form von privatem Geld, das anhand von Erfolgen berechnet werden soll. Beruflicher Aufstieg oder die Betrachtung anderer Variablen werden dabei gänzlich außer Acht gelassen. Woran werden die bisher nur wenig definierten Leistungen bemessen? Was sind die Kriterien? Wer beurteilt mein pädagogisches Handeln? Und wie wird die Korrektur aussehen? Oder werde ich vielleicht sogar irgendwann ausgelesen? Bettina Stark-Watzinger lässt viele Fragen zum nächtlichen Nachdenken offen.

Der Aufgabenkatalog, der seit Jahren auf den Schultern von Lehrer:innen lastet, ist lang und scheint noch nicht lang genug zu sein. Orientieren sich deutsche Lehrpersonen an Watzingers attraktivem Angebot, bis zu 10 Prozent mehr zu verdienen, droht das System wie bisher auf der Felge zu fahren. Mit mehr Konkurrenz als Kooperation, wiederkehrender Normorientierung statt Individualisierung und einem zweifellos harten Leistungsdruck bei allen Schüler:innen in einem Schulwesen, dem ein “Befriedigend” nicht mehr ausreicht.

Wer sich für das Amt der Lehrenden entscheidet, widmet sich diesem aufgrund der sozialen Bildungsarbeit mit Menschen. Alles, was dafür benötigt wird, ist kein Übermaß an Leistungsbereitschaft, das durch schnelle Politik entlohnt wird, sondern Unterstützung jener Lehrerinnen und Lehrer, die diese Aufgabe aus Überzeugung annehmen. Gebraucht wird lediglich Geld, das unbürokratisch zugänglich ist und finanzielle Investitionen an Schulen.

Unsere Autorin Franziska Bach ist Lehrerin an Grundschulen. Ihr erster Gedanke dazu war, dass sich ihr gesamtes Kollegium eine Prämie für besondere Leistungen verdient hätte.

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