Mutterschutz und Lehrermangel – Rückkehr in den Präsenzunterricht für schwangere Lehrerinnen?

Gepostet von
Rania Qidan
|
28
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June 2022
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Mutterschutz und Lehrermangel – Rückkehr in den Präsenzunterricht für schwangere Lehrerinnen?

Es scheint wieder Normalität in den Alltag zurückgekehrt zu sein. Nach fast drei Jahren Pandemie, mehreren Lockdowns, Distanzunterricht und dem Gefühl, die Decke würde einem auf den Kopf fallen, ist die Welt nun wieder dabei „normal“ zu werden. Dennoch begleitet uns das Coronavirus weiterhin. Die wieder mal steigenden Zahlen beunruhigen uns und wir wollen auf alle Fälle verhindern, dass es zu einem erneuten Shutdown kommt. Die Schulen sollen mit allen Mitteln offen bleiben. Trotzdem darf der Schutz der Schüler:innen und Lehrkräfte mit den steigenden Zahlen nicht in den Hintergrund geraten.

Vor allem schwangere Lehrerinnen sollten der Gefahr einer Ansteckung und Erkrankung an Corona nicht ausgesetzt werden. Doch der zunehmende Lehrermangel bringt Baden-Württembergs Kultusministerin dazu, die bisher geltenden Regelungen ändern zu wollen. Die Regierungspräsidien und Verbände kritisieren ihre Aussage stark.

Theresa Schopper (Grüne) ist der Meinung, dass schwangere Lehrerinnen wieder in Präsenz unterrichten sollen — die Regierungspräsidien sehen dies anders und wollen die bisherigen Regelungen beibehalten. Bisher galt in Baden Württemberg, ein pandemiebedingtes Verbot für schwangere Lehrkräfte in Präsenz zu unterrichten.

Was sagen die Regierungspräsidien dazu?

Nach Wertung des Robert-Koch-Institutes (RKI) wird das Risiko für Schwangere immer noch als hoch eingestuft. Dies teilten die Regierungspräsidien auf die Aussage der Kultusministerin mit. Auch die Mutterschutz Verbände sind gegen eine Regeländerung. Schwangere Lehrerinnen in Präsenz einzusetzen, stellt diese vor die Gefahr, sich zu infizieren und einen möglicherweise drastischeren Krankheitsverlauf durchzumachen, als nicht-Schwangere, so das Landessozialministerium. Daher sollte dieses Risiko nicht eingegangen werden. Dies gilt natürlich nicht nur für schwangere Lehrkräfte, sondern für Risikogruppen generell. Eine Beschäftigung der Risikogruppen in Präsenz ist demnach laut dem Kultusministerium nur in Ausnahmefällen, bei „ausreichenden Maßnahmen zum Infektionsschutz“, möglich. Dies soll auch weiterhin so bleiben.

Laut der GEW Baden-Württemberg kann vor allem bei Vorschul- und Grundschulklassen 1-3 „das Risiko einer Gefährdung einer Schwangeren nicht ausreichend begrenzt werden“. Somit ist eine Beschäftigung in diesem Bereich generell nicht möglich. Bei der Teilnahme an Lehrerkonferenzen und Prüfungen ist ein Präsenz-Aufenthalt möglich, es sei denn es liegt auch hierfür ein Beschäftigungsverbot vor.  

Rechtfertigt der Lehrermangel die Gefährdung der Gesundheit der Lehrkräfte?

Der Lehrermangel ist Grund für die Forderung der Kultusministerin. Sie möchte zu den alten Mutterschutzregelungen zurückkehren, da der Personalmangel vor allem in Grundschulen eine große Herausforderung darstelle. Schwangere Lehrerinnen würden sehr plötzlich und sehr lange ausfallen und von einem Tag auf den anderen nicht mehr für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen. Daher wünsche sich Schopper, dass schwangere Lehrkräfte wieder mehr in Präsenz eingesetzt werden könnten. Ihr sei jedoch bewusst, dass die medizinische Expertise bei dieser Regeländerung mit einbezogen werden müsse.

Die Regierungspräsidien argumentieren dagegen. Mit der fehlenden Masken- und Testpflicht steige das Infektionsrisiko. Die steigenden Zahlen sprechen ebenfalls dafür, die Regelungen so beizubehalten. Ob geimpfte Schwangere einem geringeren Risiko ausgesetzt sind, ist ebenfalls unklar, demnach kann dieses Argument bis auf weiteres nicht beachtet werden.

Der Mangel an Personal sorgt natürlich für Probleme und muss schnellstmöglich behoben werden. Jedoch ist die Gefährdung der Gesundheit der Lehrkräfte nicht die richtige Lösung und sollte auch gar nicht erst als solche in Betracht gezogen werden. Die Gesundheit werdender Mütter und die der ungeborenen Kinder zu schützen sollte stets Priorität haben. Nun ist es wichtig an einer wirklichen Lösung für den Lehrermangel zu arbeiten.

Was denkt ihr? Sollte die Regelung bestehen bleiben oder sollten schwangere Lehrerinnen auf Grund des Personalmangels wieder in Präsenz eingesetzt werden? Lasst uns eure Meinung zu dem Thema gerne in den Kommentaren wissen.

Des Weiteren kommt ihr hier zu einer tabellarisch aufgelisteten Übersicht, welche euch und alle Beteiligten bei der Beurteilung von Gefährdungen am Arbeitsplatz und passenden Schutzmaßnahmen unterstützen soll.

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