Nicht nur für die Schule, sondern das Leben lernen: Unterrichtsideen fürs lebenspraktische Wissen

Von
Tabea Heinemann
|
11
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April 2024
|
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Eine Frau blickt auf einen Kassenzettel

Praktisches Lernen fürs Leben: Der Unterricht zur Haushaltsführung vermittelt wichtige Lebenskompetenzen und Fähigkeiten des täglichen Lebensunterhalts. (Quelle: Pexels)

Der Hauswirtschaftsunterricht ist an den wenigsten Schulen fest im Lehrplan verankert, wobei immer wieder festgestellt wird, wie wichtig es für Schüler:innen ist, Grundlegendes zu Finanzplanung, gesunder Ernährung und hauswirtschaftlichen Aufgaben zu erlernen. “Nicht nur für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir”, heißt es so schön. Die Realität sieht jedoch oft anders aus – viele Jugendliche fühlen sich nach der Schule unvorbereitet und überfordert mit den “wahren” Aufgaben des alltäglichen Lebens. Steuern? Kontoführung? Mietvertrag? 

Der Haushaltsunterricht oder auch Hauswirtschaftsunterricht oder Verbraucherbildung trägt maßgeblich zur Vermittlung wichtiger Lebenskompetenzen und Fähigkeiten des täglichen Lebensunterhalts bei, wie zum Beispiel gesund Kochen, Budgetieren und Wäschewaschen. Um später ein selbstständiges, unabhängiges Leben zu führen und sich selbst versorgen zu können, ist das Erlernen jener Fähigkeiten essenziell.

Auch der Umgang mit Finanzen kann Teil des Hauswirtschaftsunterrichts sein. Finanzielle Bildung ist in jeder Lebenslage wichtig. Schüler:innen sollen lernen, wie sie kluge finanzielle Entscheidungen treffen, die sich langfristig positiv auf ihr Leben auswirken. Preise vergleichen, Kontenmodelle erstellen und Budgets verwalten, hilft mögliche Schuldenfallen oder finanzielle Abhängigkeit vorzubeugen. Auch Themen wie Sparen und Investieren sind beim Umgang mit Finanzen nicht zu vernachlässigen. 

Auch das Thema Nachhaltigkeit, Mülltrennung und Recycling kann Unterrichtsinhalt sein, genauso wie Energiesparen und nachhaltiger Konsum. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist die nachhaltige Gestaltung des Alltags unumgänglicher denn je. 

Auch der Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und gesundheitlichen Aspekten kann Teil des Unterrichts sein. Schüler:innen können in der Schule lernen, wie sie gesunde Speisen zubereiten und welche Bedeutung Hygienemaßnahmen haben. 

Außerdem können sich Teamarbeit und Aufgabenteilung positiv auf die Sozialkompetenz eurer Schüler:innen auswirken.   

Insgesamt bereitet der Hauswirtschaftsunterricht eure Schüler:innen auf ein verantwortungsbewusstes Leben vor und vermittelt ihnen Fähigkeiten, die ihnen helfen, sich im Alltag eigenständig zurechtzufinden.  

Praxisnaher Unterricht orientiert sich an lebensnahen Beispielen und Szenarien, die für das alltägliche Leben der Schüler:innen relevant sind. (Quelle: Pexels)

Wie lässt sich eine praxisnahe Unterrichtsstunde zum Thema Haushaltsführung gestalten?

Abhängig vom Alter und der Klassenstufe eurer Schüler:innen gestaltet sich eine Unterrichtsstunde und ihr Inhalt natürlich unterschiedlich. Um euch die Unterrichtsvorbereitung etwas zu erleichtern und euch Ideen für mögliche Aufgaben zu geben, auch wenn Hauswirtschaft kein eigenständiges Unterrichtsfach an eurer Schule ist, haben wir für euch einige Quellen mit Unterrichtsmaterialien zusammengestellt. 

Eines der größten Themen im Hauswirtschaftsunterricht ist die Ernährung. Naheliegende Aufgaben wären also zum Beispiel das gemeinsame Kochen oder Backen. Entweder lasst ihr die Schüler:innen selber Rezept aussuchen oder ihr gebt sie vor und die Schüler:innen bereiten sie nur zusammen zu. Diese Aufgabe eignet sich perfekt als Gruppenarbeit – ihr könntet ein Menü vorgeben und teilt die Klasse in mehrere kleine Gruppen, die jeweils eine Komponente des Menüs zubereiten. Oder wie klingt zum Beispiel ein Kochwettbewerb? Die Bewertung könnte dabei neben dem Geschmacklichen auch die Präsentation und die Einhaltung des Budgets umfassen. 

In jeder Klasse wird sich sicherlich auch mindestens ein:e Schüler:in finden, der/die eine Unverträglichkeit hat. Zum einen müsst ihr darauf als Lehrer:in natürlich gesondert achten, zum anderen bietet es euch eine gute Grundlage für eine weitere Aufgabe im Zusammenhang mit Ernährung. Lasst die Schüler:innen ein Menü oder einen Wochenplan für spezielle Ernährungsbedürfnisse erstellen, wie vegetarisch, glutenfrei, laktosefrei oder vegan. Auch Themenschwerpunkte wie Meal Prepping, Lebensmittelhaltbarkeit oder Resteverwertung könnt ihr im Zuge der gemeinsamen Speisenzubereitung behandeln. In den Umgang mit den verschiedenen Küchenutensilien und Arbeitsgeräten solltet ihr eure Schüler:innen natürlich vorher einweisen. Eine weiterführende Aufgabenstellung wäre beispielsweise, sich mit grundlegenden Etikette-Regeln zu beschäftigen, den Tisch für fiktive Gäste zu dekorieren oder für einen bestimmten Anlass herzurichten. 

Ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt in der Ernährungslehre sind Nährstoffe. Welche Lebensmittel haben welche Nährstoffe, wofür brauche ich diese überhaupt und welche Menge wovon ist zu viel oder zu wenig?  Kostenlose Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblätter findet ihr beispielsweise bei Elixier unter den Rubriken Ernährungslehre und Hauswirtschaft und Ernährung. Auch die Seite Lehrerbüro stellt kostenlose Arbeitsblätter zum Thema “Vorbereiten von Mahlzeiten” für die Klassenstufen 7 bis 9 zur Verfügung. Eine recht große Auswahl an Unterrichtsmaterialien für verschiedene Klassenstufen bietet Eduki, allerdings nicht kostenlos. Da die Materialien von Lehrer:innen für Lehrer:innen erstellt worden, sind sie sehr unterrichtsnah gestaltet und ersparen euch eine Menge Zeit. Etwas Kleingeld dafür in die Hand zu nehmen lohnt sich also meistens. 

Der Auer-Verlag hat sogar eine ganze Buchreihe "Hauswirtschaft in Bildern”, die euch helfen können, die grundlegenden Küchenfertigkeiten zu vermitteln. Anzumerken ist jedoch, dass die Bücher etwas preisintensiver sind. Auch auf lehrerwelt gibt es ein Buch “Hauswirtschaft: Arbeitsplatz Küche” und “Hauswirtschaft: Lebensmittelmarkt und -einkauf”, das ihr erwerben könnt und das auch als E-Book erhältlich ist.  Je nach Schwerpunkt sind sogar Dokumentationen für euren Unterricht interessant. Peta hat in diesem Artikel zum Beispiel die zwölf besten Dokus und Filme zum Veganismus zusammengestellt. Bei Too Good To Go findet ihr eine Auflistung zu Dokus zum Thema Lebensmittelverschwendung. Konzepte wie Too Good To Go selbst könnten Gegenstand des Unterrichtsgesprächs sein. 

Zur Haushaltsführung gehört nun mal auch das Putzen und Waschen. Als diesbezügliche praktische und gemeinschaftliche Aufgabe, die noch dazu den Klassenzusammenhalt stärken kann, bietet sich zum Beispiel an, einen Raum in der Schule von Grund auf zu säubern. Unterrichtsthemen können auch die richtigen und nachhaltigen Reinigungsprodukte und gute Reinigungstechniken sein. Auch Reparatur- und Wartungsarbeiten können Teil einer Unterrichtseinheit sein. Wie wechsle ich eine Glühbirne oder einen Türgriff und was mache ich bei einem verstopften Abfluss? Mit Videosequenzen oder Demonstrationen könnt ihr das Thema veranschaulichen. Die Schüler:innen können solche Aufgaben auch selbst üben. Auf Eduki findet ihr auch dazu ausführliche und anschaulich gestaltete Unterrichtsmaterialien mit Schritt-für-Schritt Anleitungen, Tipps zu verschiedenen Reinigungstechniken und Wissenswertem über bestimmte Reinigungsmittel und ihre Wirkmechanismen. 

Finanzielle Bildung kommt im Unterricht oft zu kurz, wodurch sich Schüler:innen von Themen wie dem Investieren, Steuern oder Versicherungen nach der Schule überfordert fühlen.  (Quelle: Pexels)

Finanzielle Bildung stärken

Über Geld redet man nicht? Doch! Und das solltet ihr sogar! Nicht alle Schüler:innen kommen aus einem Haushalt, in dem offen über das Thema Finanzen gesprochen wird. Eine Aufgabenidee für den Unterricht wäre zum Beispiel, ein Haushaltsbudget für einen Monat zu erstellen. Dabei sollen Lebensmittelpreise, Lebenshaltungskosten, Haushaltsartikel, Transportkosten und Ähnliches beachtet werden. Im Zuge dessen könnt ihr Apps wie Finanzguru, Monefy oder Haushaltsbuch MoneyStats vorstellen. Auch mit Investitionssimulationen wie dem Planspiel Börse, bei dem Schüler:innen aus dem ganzen Land teilnehmen können und mit fiktivem Geld investieren und mit Aktien handeln können. Am Ende könnt ihr sogar coole Preise gewinnen.  Auf Elixier findet ihr einen großen Umfang an Unterrichtsmaterialien von Erklärvideos bis hin zu Arbeitsblättern. Auf ManoMoneta findet ihr Ideen für eine ganze Doppelstunde. Eine interessante Aufgabe für eure Schüler:innen wäre auch die Gründung eines imaginären Unternehmens oder der Kauf eines Hauses. Welche Rechtsformen gibt es beispielsweise? Wie funktionieren Kredite? Zu den Themen Miete, Versicherungen und Steuern findet ihr umfangreiche Materialien in einfacher Sprache auf Eduki. Auf der Seite der Verbraucherzentrale ist außerdem eine 59-seitige PDF-Datei zum Thema Umgang mit Geld ab Klasse 9 zu finden. Das Serviceportal für Verbraucherbildung stellt zudem Unterrichtsmaterial zu  Wohnung, Geld und Haushaltsführung vor. Unbedingt zu empfehlen ist auch die Seite Finanztip. Dort findet ihr jede Menge sehr gut aufbereitete und unabhängig recherchierte Infos unter den Rubriken Finanzen, Versicherung, Energie und Klima, Recht, Steuern und Sparen im Alltag. Von Taschengeld bis Rente über Kfz-Steuer und Ehevertrag – ihr werdet hier zu jedem Thema fündig. Die Kirsche auf der Sahnetorte ist, dass Finanztip euch kostenlose Unterrichtsmaterialien zu vielen dieser Themen bereitstellt. Diese sind mit Angaben zu den jeweiligen Klassenstufen und Schulformen versehen, für die sie sich eignen und zu welchen Fächern sie einen Bezug haben. Zusätzlich findet ihr auch Erklärungen zur Relevanz gewisser Themen. Die Bildungsinitiative der Finanztip Stiftung bietet außerdem im Rahmen des Zukunftstages kostenlose Projekttage an Schulen an. Dabei besuchen Expert:innen eure Schule und vermitteln euren Schüler:innen Basics rund um Geld und finanzielle Bildung. Für die Schule bedeutet das null Aufwand. Alles Organisatorische übernimmt das Finanztip-Team. 

Da das Thema Haushalt für jede:n Schüler individuell aussieht, ist es gut, im Unterricht mit realen und individualisierbaren Szenarien und Beispielen zu arbeiten. Es sollte keiner gedrängt werden, etwas preiszugeben, beispielsweise über monatliche Ausgaben oder die Höhe des Taschengelds. Auf Eduki gibt es zum Beispiel auch Unterrichtsmaterial für die sechste Klasse zu den unterschiedlichen Haushaltsformen

Die Möglichkeiten, eine Unterrichtsstunde zur Haushaltsführung zu gestalten, sind vielfältig. Habt ihr noch weitere Quellen für Unterrichtsmaterial? Was kommt bei euren Schüler:innen am besten an? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

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