Noten abschaffen und Sondervermögen für die Bildung: Die Linke stößt mit neuem Positionspapier auf Kritik

Von
Margerita Wolf
|
20
.
September 2023
|
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Nicole Gohlke (links) und Janine Wissler (rechts) während einer Pressekonferenz am Montag (Quelle: flickr)

Berlin. “Entschlossen gegen den Bildungsnotstand”, so lautet das neue Positionspapier, mit dem die Partei Die Linke gegen Lehrermangel, Unterrichtsausfall und fehlende Bildung bei jungen Menschen vorgehen will. Präsentiert wurde der Aufschlag am Montagmittag im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Parteivorsitzende Janine Wissler ihre Forderungen an Bund und Länder vorstellte. Im Zentrum steht eine Bildungsreform im Rahmen eines 100 Milliarden-Euro-Sondervermögens, die sowohl die Sanierung und Modernisierung von Bildungseinrichtungen als auch strukturelle Veränderungen wie die Abschaffung von Hausaufgaben und Noten vorsieht.

Wissler und Nicole Gohlke, Sprecherin für Bildung und Wissenschaft der Bundestagsfraktion, sprechen sich für ein “inklusives, demokratisches Schulsystem” aus. Dieses zu erreichen und Bildungsgerechtigkeit herzustellen ist eines der großen Ziele, für die “Bund, Länder, Städte und Gemeinden endlich an einem Strang ziehen müssen”, so die Linke im Papier. Dabei formulierte die Partei Forderungen in vier großen Themenblöcken:

1. Schulen zu Wohlfühlorten machen

Mit dem “100 Milliarden-Euro-Sondervermögen für Bildung” soll der Bund Bildungseinrichtungen sanieren, modernisieren und diese unterstützen, damit sie zu guten Schulplätzen für alle Kinder und Jugendlichen werden. Bildung soll als eine Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz festgeschrieben werden, die Bildungshoheit der Länder würde damit abgeschafft.

2. Lernen ohne Druck und Angst

Die Linke fordert gemeinsames Lernen von Schüler:innen der Klassen 1-10 in einem demokratisch-selbstbestimmten Rahmen zu ermöglichen, bei dem auch der Stress von Hausaufgaben und Noten entfällt. In kleineren Klassen und Lerngruppen soll die individuelle Förderung im Vordergrund stehen und alle Kinder und Jugendlichen integrieren.

3. Gute Arbeit im Klassenzimmer 

Auch für die Ausbildung, Betreuung und Bezahlung der Lehrkräfte sind Reformen nötig. Es wird sich für die Gleichstellung in der Bezahlung, unabhängig von Schulform und Schulstufe, und für multiprofessionelle Teams aus Schulpsycholog:innen und Schulsozialarbeiter:innen ausgesprochen, während gleichzeitig auch mehr Zeit und Beratung für die Schulentwicklung und eine Absicherung des IT-Supports geschaffen werden muss.

4. Gute Standards von Aachen bis Görlitz

Bundesweite Regelungen und eine dauerhafte, bedarfsgerechte Finanzierung des Bildungswesens müssen erhoben werden, um Vergleichbarkeit, Gleichgerechtigkeit und eine hohe Qualität in der Bildung herzustellen. Durch ein bundeseinheitliches Rahmengesetz sollen alle Bildungsbereiche berücksichtigt und gleich behandelt werden, heißt es in dem Papier.

Stefan Düll, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, lehnte wesentliche Forderungen der Linken ab. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er, die Abschaffung von Noten sei Unfug. Kinder und Eltern würden die Möglichkeit zum Vergleich schätzen, so Düll. Das Notensystem sei genau dafür ausgelegt, sodass man bei Schwächen die Auskunft über seine Einordnung darin bekomme, erklärte Düll, der nach eigenen Angaben Mitglied der CSU ist.

Auch viele Eltern sehen die Ideen der Linken kritisch. Neben Sorgen der Unterforderung von Schüler:innen stehen auch Zweifel an der Umsetzung im Raum, da eine entsprechende Grundgesetzänderung zur Abschaffung der Bildungshoheit der Länder aufgrund deren Eigeninteressen als chancenlos gilt.

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