Rückkehr zu G9: Baden-Württemberg diskutiert Schulreform

Von
Jenny Hedermann
|
29
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February 2024
|
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Bei der Bücherausgabe stehen viele Stapel mit Schulbüchern

In Baden-Württemberg wird derzeit über die Rückkehr von G8 zu G9 diskutiert. (Quelle: Pixabay)

Stuttgart. In Baden-Württemberg steht die Bildungspolitik vor einer wegweisenden Entscheidung: die mögliche Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, kurz G9. Diese Diskussion, die seit langem emotional geführt wird, spaltet die politische Landschaft und wirft wichtige Fragen zur Zukunft des Bildungssystems auf.

Seit der Einführung des verkürzten Gymnasiums (G8) vor einigen Jahren war die Bildungslandschaft in Baden-Württemberg von kontroversen Debatten geprägt. Eltern, Schüler:innen und Lehrkräfte kritisierten gleichermaßen die hohen Anforderungen und den damit verbundenen Stress. Mehr als 100.00 Unterschriften wurden von einer Elterninitiative gesammelt, die die Rückkehr zu G9 als Möglichkeit betrachtet, diesen Belastungen entgegenzuwirken und den Schüler:innen mehr Zeit zur Entfaltung und Vertiefung ihres Wissens zu geben.

Allerdings sind die Meinungen über den Zeitpunkt und die Ausgestaltung der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gespalten. Während Kultusministerin Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen) einen Zeitrahmen für das Schuljahr 2025/2026 vorschlägt, plädiert die CDU für ein grundständig aufwachsendes G9 ab demselben Zeitpunkt. Eine zentrale Frage dabei ist, ob die Schulen die Option haben sollten, sowohl G9- als auch G8-Klassen anzubieten, um den individuellen Bedürfnissen der Schüler:innen gerecht zu werden.

Auch die Rolle der verbindlichen Grundschulempfehlung wird in diesem Zusammenhang diskutiert. Die Möglichkeit, dass Eltern über den Bildungsweg ihrer Kinder entscheiden, führte in der Vergangenheit zu einem verstärkten Andrang auf neunjährige Gymnasien. Die Wiedereinführung einer verbindlichen Empfehlung könnte diese Ungleichheiten ausgleichen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage nach der frühkindlichen Bildung und Sprachförderung. Fast jedes fünfte Kind der vierten Klasse hat bei einer Bildungsstudie aus dem Jahr 2022 die Mindeststandards in Mathe und Deutsch nicht erfüllt. Die Landesregierung sieht in der Sprachförderung einen Schlüssel zur Verbesserung der Bildungschancen und will verpflichtende Sprachtests für Vierjährige einführen, um Defizite frühzeitig zu erkennen und gezielt zu fördern.

Inmitten dieser Debatte betonen Experten die Notwendigkeit, neben der Rückkehr zu G9 auch andere dringende Bildungsfragen anzugehen, darunter den Lehrkräftemangel und die Integration von Geflüchteten. Es gilt, einen ausgewogenen Weg zu finden, der den individuellen Bedürfnissen der Schüler:innen gerecht wird und gleichzeitig die Qualität und Vielfalt des Bildungssystems in Baden-Württemberg sicherstellt. Die Entscheidungen, die in den kommenden Monaten getroffen werden, werden einen langfristigen Einfluss auf die Bildungslandschaft des Landes haben.

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