So unterscheiden sich das deutsche und skandinavische Schulsystem

Gepostet von
Luisa Janosch
|
29
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November 2022
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So unterscheiden sich das deutsche und skandinavische Schulsystem

Bildung entwickelt die Persönlichkeit und gibt zugleich Chancen auf ein selbstbestimmendes, erfüllendes Leben. Nicht überall auf der Welt sind die Bildungschancen gleich. Heute blicken wir auf Skandinavien und Deutschland im Hinblick auf deren Schulsysteme. Skandinavien ist ein Teil Nordeuropas und besteht aus den Ländern Schweden, Norwegen und Dänemark. Wie sehen die Schulsysteme in den doch relativ nah beieinander liegenden Ländern aus und wie unterscheiden sie sich voneinander? Das erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Das deutsche Schulsystem

Unser Schulsystem besteht aus vier verschiedenen Bildungsbereichen. Dem Elementarbereich, dem Primarbereich und dem Sekundarbereich I + II. In Deutschland gilt die Schulpflicht von sechs bis 18 Jahren. Der Besuch staatlicher Schulen ist in Deutschland kostenlos für Kinder. Vor dem sechsten Lebensjahr können Kinder Vorschulen, Kindergärten oder Krippen besuchen. Diese fördern die sozialen Kontakte und bereiten auf den Primarbereich, die Grundschule, vor. Ebenfalls entlasten diese die Eltern. Kinder besuchen den Primarbereich von der ersten bis zur vierten Klasse. Ab Ende der zweiten Klasse werden die Kinder benotet, die Noten gehen von eins bis sechs, wobei 6 die schlechteste Note darstellt. Anschließend nach diesen vier Jahren, können Eltern selbst entscheiden, auf welche Schule sie ihre Kinder schicken möchten. Unterschieden wird zwischen Haupt- und Realschule, Gymnasium sowie einer integrierten Gesamtschule. Die Sekundarstufe I umfasst dabei die Klassen 5-10, die Sekundarstufe II die Stufen 11-12/13. Nach Abschluss der 9. Klasse erlangen Kinder ihren Hauptschulabschluss, nach der 10. Klasse den Realschulabschluss und nach weiteren 2-3 Jahren den in Deutschland höchsten Schulabschluss: das Abitur. Nach dem Haupt- sowie Realschulabschluss können Schüler:innen eine Ausbildung machen, nach dem Abitur haben sie sowohl die Möglichkeit einer Ausbildung als auch den Besuch einer Universität/Fachhochschule. 

Das skandinavische Schulsystem

In Skandinavien besuchen die meisten Kinder die Vorschule ab dem vierten oder fünften Lebensjahr. Diese dient den Kindern in ihrer Entwicklung, indem sie lernen, mit anderen Kindern soziale Kontakte aufzubauen. Ab dem sechsten Lebensjahr herrscht in Skandinavien die Schulpflicht. Die Schulpflicht ist gesetzlich vom sechsten bis zum 16. Lebensjahr. Die Schule ist ab dem sechsten Jahr für Kinder kostenlos, drei bis sechsjährige können nicht kostenlos zur Schule gehen. In Schweden beispielsweise besuchen alle Schüler:innen neun Jahre lang eine Art Grundschule, woraufhin eine freiwillige, dreijährige, gymnasiale Schule beginnt. Diese ist jedoch nicht mit dem deutschen Gymnasium zu vergleichen. Bereits in der Zeit des Gymnasiums finden viele Ausbildungsprogramme statt. Dabei wird sich nicht erst nach einem bestimmten Abschluss um eine anschließende Weiterbildung gekümmert, sondern bereits in der Schulzeit. Noten gibt es ab der sechsten Klasse. Unterschieden wird hier in nur drei Noten, wobei die beste “sehr gut” erreicht wird, wenn mindestens 75 Prozent korrekt sind. Dies entspricht in Deutschland einer Drei. In Schweden und Norwegen gibt es nicht wie in Deutschland eine Abschlussprüfung, um einen bestimmten Abschluss zu absolvieren, dort muss lediglich an bestimmten Fächern teilgenommen werden. Der Schulalltag wird in Schweden nicht von einem strikten Unterrichts- und Stundenplan geleitet, die Schüler:innen planen gemeinsam mit den Lehrenden die Woche und legen fest, wann selbstständig und wann in Gruppen gearbeitet wird. Die Entwicklung des eigenständigen Lernens steht hier im Vordergrund.

In Dänemark ist es den Eltern überlassen, ob sie ihre Kinder zu Hause unterrichten oder an eine Schule schicken. Die Kinder werden hierbei entweder von den Eltern oder Lehrpersonen unterstützt. Die Grundschulzeit kann so, nach einem Antrag der zuständigen Gemeinde, zu Hause verbracht werden. Die Kinder bekommen während der neunten Klasse eine Einladung zur Abschlussprüfung, welche sie nach der Grundschulzeit zu absolvieren haben. Ohne diesen Test kann man keine weiterführende Schule (Gymnasium) besuchen und somit auch keine Universitätszulassung bekommen. 

Der Vergleich: Wie unterscheiden sich die beiden Schulsysteme?

Deutschland folgt einem ziemlich strikten und geordneten Schulsystem. Die Schüler:innen werden schon ab der zweiten Klasse benotet, welches den Lernenden bereits in jungen Jahren den Eindruck einer Leistungsgesellschaft vermittelt. Wer keine guten Noten hat, wird im schlimmsten Fall nicht in die nächste Jahrgangsstufe versetzt. Hier setzt Skandinavien auf andere Lernstrukturen. Dort werden Schüler:innen erst ab der sechsten Klasse benotet. Ebenso bleiben Lernende weniger oft sitzen. Laut dem Gesetz sei diese Entscheidung auch durch Absprache mit den Eltern zu beschließen, da dies für leistungsschwächere Schüler:innen kaum von Vorteil sei. In Skandinavien wird eine chancengleiche Bildung und ein starkes soziales Miteinander groß geschrieben. Dieses Miteinander spiegelt sich auch in den Klassen wider, in Schweden bleiben die Lernenden bis zur neunten Klasse gemeinsam in einer Klasse, in Deutschland wechselt die Klassenzusammensetzung alle 2-4 Jahre. Außerdem unterscheiden sich beide Schulsysteme, wenn man auf die verschiedenen Schularten blickt. Deutschland bietet verschiedenen Lernniveaus in Form von Schulen mit dazu passenden Lernanforderungen. Hier kann schon während der Grundschulzeit geschaut werden, welche Schule zum Lernenden passen könnte, eine Empfehlung der Schule erleichtert dem ein oder anderen Elternteil die Entscheidung. Dies erschwert möglicherweise aber auch die späteren Chancen auf bestimmte Berufe, aber auch im sozialen Bereich kann es zu Problemen kommen. Schüler:innen könnten aufgrund ihres Abschlusses sozial benachteiligt werden. In Schweden ist den Schüler:innen frei überlassen, ob sie nach den neun Jahren “Grundschule” noch weitermachen möchten. Diese Option nehmen aber um die 90 Prozent der Lernenden an, um eine ausgeweitete, berufliche Chance zu erlangen. 

Beide Schulsysteme zeigen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Gerade die persönliche Entwicklung, das soziale Miteinander und die chancengerechte Bildung wird in Skandinavien groß geschrieben. Deutschland setzt hingegen eher auf akkurate Noten, was gerade für junge Schüler:innen zum Problem werden kann. 

Habt ihr Erfahrungen mit einem der skandinavischen Schulsysteme gesammelt? Was ist eure Meinung dazu? Schreibt es gerne in die Kommentare. 

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