Vorlesemonitor 2022: In Deutschland wird zu wenig vorgelesen

Von
Erik Schimpf
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10
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November 2022
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Der Vorlesemonitor 2022 ist da – Wie schneiden Eltern beim Vorlesen ab?

Vorlesen ist wichtig! Wie der Vorlesemonitor 2022 zeigt, passiert dies jedoch immer weniger. So bekommen 39 Prozent der ein- bis achtjährigen Kinder der 839 befragten Eltern selten oder nie vorgelesen. Die Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen, Simone Ehmig, sagt dazu, dass die Ergebnisse bundesweit repräsentativ für Familien mit Kindern in dieser Altersgruppe sind. 2019 lag die Quote noch bei 32 Prozent. Das hat Auswirkungen auf die Bildung. 

Grund dafür sind hier laut der Studie auch der mangelnde Vorlestoff. Je mehr Kinderbücher in einem Haushalt zur Verfügung stehen, desto mehr Eltern würden frühe Impulse für das (Vor-)Lesen setzen. Dazu kommt, dass umso mehr Bücher in einem Haushalt vorhanden sind, tendenziell mehr vorgelesen wird. Zudem geben 44 Prozent der Eltern an, maximal zehn Kinderbücher zu besitzen. 71 Prozent der Eltern geben an, mehr als 20 Bücher zu besitzen und regelmäßig ihrem Kind daraus vorzulesen. In der Kategorie der befragten Eltern mit weniger als sechs Büchern geben 54 Prozent an, selten bis nie vorzulesen. 

Die bisherigen Fördermaßnahmen reichten laut Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe nicht aus. Esser fordert die Verfügbarkeit von Büchern und digitalen Vorlesematerialien zu verbessern. Auch die Bildungsvoraussetzungen der Eltern haben Einfluss darauf, wie oft Kindern vorgelesen wird. Kinder aus einem Haushalt mit geringer Bildung würde seltener vorgelesen werden, mehr als die Hälfte der Eltern dieser Haushalte liest ihren Kindern nur selten oder nie vor. Der Anteil der Eltern mit Zuwanderungsgeschichte sei ebenfalls in der Studie untersucht worden, dort wurde weniger die Zuwanderungsgeschichte als der  formale Bildungsstand untersucht. Die parallelen Werte zu Eltern mit und ohne Zuwanderungsgeschichte und weniger formaler Bildung waren dabei ähnlich. Dadurch werden Kinder schon vor dem Schuleintrittsalter benachteiligt. Durch gezielte Unterstützung der Eltern mit geringer Bildung könnte eine Trendwende geschaffen werden und die Chancen der nächsten Generation verbessern, ihren eigenen Kindern vorzulesen, so Jürgen Kornmann, Leiter Marketing & PR der Deutschen Bahn und Beauftragter Leseförderung der Deutsche Bahn Stiftung. 

In jedem zweiten Fall werden Apps zum Vorlesen genutzt 

Der Lesealltag von Kindern wird immer digitaler, 44 Prozent der Eltern haben schon einmal Apps zum Vorlesen genutzt und 32 Prozent nutzen digitale Bücher und Kinderbuch-Apps. Zusätzlich wurden Eltern zu den einzelnen Aktivitäten der genutzten Apps befragt. 50 Prozent nutzen Apps zum Vorlesen, 32 Prozent der Eltern nutzen sie sogar mehrmals pro Woche. 84 Prozent der 365 Eltern gaben an, Apps zum Spielen für ihre Kinder zur Verfügung zu stellen. Deswegen muss die Bedeutung des Vorlesens in der Gesellschaft wachsen und mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten, so Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. Kinder bekommen erst von ihren Eltern mit dem zweiten Geburtstag etwas vorgelesen und  meist wird mit dem Schuleintritt kaum oder gar nicht mehr vorgelesen. Eltern im Vorlesen zu bestärken, sei wichtig sowie den Vorlesebegriff breiter aufzustellen, zum Beispiel durch Erzählen und Betrachten von Bildern, bereits ab dem ersten Lebensjahr der Kinder. Eltern sollten in diesem Zusammenhang die  Vorlesebiografie ihrer Kinder durch Kontinuierlichkeit fördern und ihre Lesemotivation im Alltag nicht abreißen lassen. Vorlesen eröffnet Kindern die Welt der Geschichten und legt wie keine andere Aktivität den Grundstein für Bildung und Zukunftschancen, so der Experte.

Die komplette Studie zum Vorlesemonitor 2022 ist hier als PDF zu finden.

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