Hitzeschutz an Schulen: Lücken in Lauterbachs Plan

(Quelle: Envato)

Berlin. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat am 26. Juni seine Pläne für eine nationale Hitzeschutzstrategie vorgestellt. Ziel dieses Plans ist es, Warnungen und Reaktionen bei Hitzewellen in Deutschland zu verbessern, was bereits diesen Sommer passieren soll. “Hitzeschutz ist Lebensschutz”, sagte Lauterbach. Als erster Schritt wurde eine Website freigeschaltet, die Städten und Kommunen praxisnahe Tipps gegen Hitze geben soll. Im weiteren Verlauf sollen Warnungen vor Beginn von Hitzewellen über Radio, Fernsehen oder Benachrichtigungen per Handy folgen. Vorbild ist Frankreich, das seit 2004 ein mehrstufiges Warnsystem vor Hitze hat und entsprechende Gegenmaßnahmen bereithält. Einen Plan für Schulen sieht die Hitzeschutzstrategie der Bundesregierung bislang nicht vor.

Wie Schulen der Hitze nicht mehr trotzen können

Als Folge des Klimawandels kommt es zu extremeren Wetterlagen und längeren Hitzeperioden: In Deutschland werden an heißen Tagen immer öfter Temperaturen über 30 Grad Celsius erreicht. Besonders für ältere Menschen, Schwangere, Kranke und Kinder können diese Temperaturen schnell gefährlich werden. In Anbetracht dieser Entwicklungen sind die Maßnahmen der Regierung dringend notwendig, was ein Blick auf die Lage vieler Schulen in Deutschland bestätigt: Die heißen Temperaturen der vergangenen Woche haben allen stark zu schaffen gemacht. Dabei ist allerdings kein Ende in Sicht, da der Sommer erst offiziell begonnen hat. Auch in den Schulen belastet die Hitze Schüler:innen und Lehrer:innen ebenfalls: Lehrkräfte dokumentierten in der letzten Woche die Temperaturentwicklungen in ihren Klassenzimmern, an manchen Schulen wurden bereits um 8 Uhr morgens Temperaturen zwischen 27 und 32 Grad Celsius im Klassenzimmer erreicht.

Tipps gegen Hitze kommen an ihre Grenzen

Einige Tipps und Tricks gegen Hitze an Schulen sind schon lange erprobt: Lüften in Morgenstunden, “Durchluft” quer durch das Klassenzimmer durch gleichzeitig geöffnete Fenster und Türen, Schließen und Verdunkeln der Fenster, sobald die Mittagssonne zu intensiv wird. Wie aber die Lage an vielen Schulen zeigt, sind diese Maßnahmen oftmals nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Fenster können teilweise nicht (vollständig) geöffnet werden, Flure haben gar keine Fenster und selbst Verdunklungsmöglichkeiten zeigen keine Wirkung oder sind überhaupt gar nicht vorhanden. Auch kann der Unterricht nicht immer nach draußen verlegt werden, da hier der Lärmpegel zu hoch ist, kein Schatten oder Sitzmöglichkeiten vorhanden sind oder der Schulhof bereits von einer anderen Klasse genutzt wird. Die Lehrkräfte stoßen hier mit den Möglichkeiten sehr schnell an ihre Grenzen. Vor allem bei alten und sanierungsbedürftigen Schulen fallen diese Probleme stark ins Gewicht. 

Anhand dieser prekären Lage werden die Versäumnisse der Regierung sichtbar, die nicht rechtzeitig auf die Hitzeentwicklungen der letzten Jahre und deren Auswirkungen auf den Schulalltag reagiert hat: „Die Landesregierung hat es leider in den letzten Jahren versäumt, auf die immer heißeren und trockeneren Sommer mit einer geeigneten Strategie zu reagieren“, kritisierte die Vorsitzende des Philologenverbandes in Rheinland-Pfalz, Cornelia Schwartz. Das hätte zur Folge, dass Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte immer häufiger in viel zu heißen Räumen arbeiten müssten, die teilweise nur unzureichend beschattet und gelüftet werden könnten. Hinzu kommt, dass es in Deutschland keine einheitlichen Regelungen für Hitzefrei gibt und diese Entscheidung länderabhängig von den Schulen getroffen werden. Im Vergleich zu früher passiert das heutzutage nicht mehr oft – trotz des Klimawandels. So können Klassenzimmer schnell zu Hitzezimmern werden.

Die Schulen brauchen einen Hitzeschutzplan

Vor dem Hintergrund ihrer Kritik plädierte Schwartz für einen Hitzeschutzplan an Schulen, mit dem die Initiative Lauterbachs auch in den Ländern aufgegriffen werden sollte. Für effektive Gegenmaßnahmen forderte sie die Landesregierung dazu auf, „zusammen mit den Schulträgern tragfähige Konzepte zum Gesundheits- und Arbeitsschutz zu entwickeln und dazu auch notwendige bauliche Maßnahmen zügig umzusetzen.” Auf längere Sicht bedeutet das die Priorisierung der umfassenden Schulsanierungen in Deutschland – auf kurze Sicht ausreichend Schattenplätze und gut erreichbare Wasserspender in allen Schulgebäuden. So müsse erreicht werden, „dass die momentane Hitzewelle nicht zur Gefahr für die am Schulleben Beteiligten wird.“ Eine klare Warnung.

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