Inklusion im Fokus: Die bemerkenswerte Arbeit der Marie-Pettenbeck-Schule in Bayern

Von
Carolin Kremer
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27
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May 2023
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Im Rahmen unserer Themenwoche Inklusion haben wir das Thema von unterschiedlichen Seiten beleuchtet: Von der geschichtlichen Entwicklung über die UN-BRK bis zur globalen Handhabe – unser Ziel war sowohl die Chancen als auch die Schwierigkeiten, die mit der Etablierung von Inklusion im Schulalltag einhergehen, zu erörtern. Dabei gab es leider nicht immer Positives zu berichten. Deswegen soll den Abschluss eine Schule machen, bei der die Inklusion weitgehend geglückt ist: Die Marie-Pettenbeck-Schule in Wartenberg, Bayern.

Das inklusive Konzept der Marie-Pettenbeck-Schule

Im Mai 2022 feierte die Marie-Pettenbeck-Schule in Oberbayern 50 jähriges Bestehen. Die Schule besteht aus einem Grundschul- und Mittelschulbereich mit etwa 510 Schüler:innen, die auf 23 Klassen aufgeteilt sind und von rund 60 Lehrkräften unterrichtet werden. Im Jahr 2019 erhielt die Marie-Pettenbeck-Schule den Status einer Inklusionsschule. Damit zählt sie zu den aktuell 452 Schulen mit dem Schulprofil „Inklusion“ im Freistaat Bayern. Was zunächst nach viel klingt, ist gemessen an einer Gesamtschulzahl von über 6000 Schulen in Bayern nur ein Bruchteil. Die Nachfrage an inklusiven Schulen für Kinder mit Förderbedarf ist hoch. Weitaus höher, als dass die gegenwärtigen Regelschulen mit Inklusionsprofil dieser Nachfrage gerecht werden könnten. 

Zunächst einmal wollen wir uns ansehen, auf welche Weise die Marie-Pettenbeck-Schule ihren Status als „Schule mit Schulprofil Inklusion" realisiert. Der inklusive Unterricht richtet sich an Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten Sprache, Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Hören, Sehen, geistige Entwicklung und Autismus. Auf der Website der Schule werden vor allem drei Bereiche unterschieden: Die Unterrichtlichen Maßnahmen, die räumliche und personelle Ausstattung und die Kooperationspartner. 

Unterrichtliche Maßnahmen umfassen beispielsweise Förderpläne, Gewaltprävention und Konzentrations- und Emotionstrainings. Unter die räumliche und personelle Ausstattung fallen Materialien wie Schülerlaptops sowie angepasste und differenzierte Lernmittel. Unter dem Punkt Kooperationspartner sind u.a. ein Mobiler sonderpädagogischer Dienst (MSD), Ergotherapie, Jugendsozialarbeit und das AsA (Alternatives Schulisches Angebot) aufgeführt. Das vollständige Konzept könnt ihr hier einsehen.

Dass das Konzept der Marie-Pettenbeck-Schule auf hohen Anklang trifft, bestätigte auch Schulleiter Michael Braun gegenüber Merkur. So sei der „Bedarf sehr, sehr hoch", äußerte er in Bezug auf Grundschulkinder, die das Angebot der Jugendsozialarbeit in Anspruch nehmen. Viele der unterrichtlichen Maßnahmen könnten bislang allerdings nur an der Mittelschule umgesetzt werden, da die finanziellen Mittel fehlen, um dem Bedarf im Grundschulbereich ebenfalls nachzukommen. 

Einschränkungen durch Personal- und Ressourcenmangel

Die Marie-Pettenbeck-Schule ist den gleichen Schwierigkeiten ausgesetzt wie zahlreiche andere Schulen deutschlandweit. Vor allem ein Mangel an Personal und Ressourcen bremst die Schule in der Umsetzung der Inklusion aus. 

Die Personallage ist derzeit äußerst angespannt. Klassen mussten zusammengelegt werden und so sind Klassenstärken von 30 Schülern keine Seltenheit. Umso schwerer für die unterrichtende Lehrkraft auf die einzelnen Schüler, deren Bedürfnisse und Lerntempo einzugehen. Das ist in „regulären“ Klassen schon schwierig – in heterogenen Klassen nahezu unmöglich. Monika Faltermeier, Lehrerin an der Marie-Pettenbeck Mittelschule und Vorsitzende des Jungen Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) äußerte sich dazu: 

„Wenn wir in einem Jahrgang mit 18 Kindern sieben mit einem diagnostizierten Förderschwerpunkt haben und darunter wiederum Kinder mit emotional-sozialem Förderbedarf, dann wollen wir diesen Kindern gerecht werden – genauso wie allen anderen in der Klasse. Und das braucht Zeit für Bildung und die entsprechenden Ressourcen. Schulen mit dem Schulprofil Inklusion bekommen zwar bis zu zehn zusätzliche Lehrerstunden und zwölf Stunden für Sonderpädagogen, aber das reicht hinten und vorne nicht. Über die Situation an Regelschulen, wo wir oft genauso viele Kinder mit Förderbedarf haben, will ich gar nicht reden.“

Auch eine aktuelle Umfrage des BLLV zur Inklusion an Schulen zeigte: Die Lehrkräfte fühlen sich allein gelassen. Auch über diese Debatte haben wir bereits berichtet.

Es gibt allerdings auch Lichtblicke an der Marie-Pettenbeck-Schule. In seiner Ansprache zum aktuellen Schuljahr 2022/23 verkündete Braun: „Auch unsere Inklusionsschule bewegt sich weiter. Wir dürfen dieses Schuljahr im Rahmen des AsA flex auf Landkreisebene mit allen Schulen zusammenarbeiten, die im Bereich des Förderzentrums Erding der Katharina-Fischer-Schule liegen – hier auch eine unglaublich konstruktive und fruchtbare Kooperation." Laut Kultusministerium tragen solche gewinnbringenden Kooperationen zu einem guten sozialen Miteinander bei. Die Katharina-Fischer-Schule, ein sonderpädagogisches Förderzentrum für Kinder mit besonderem Förderbedarf, stellt Sonderpädagogen bereit, welche die Marie-Pettenbeck Mittelschule mit bis zu 23 Sonderstunden unterstützen. 

Seine Ansprache beendet der Schulleiter mit den Worten: 

„Sodass wir uns wieder auf das konzentrieren können, was uns als Lehrkräfte wichtig ist, nämlich: unsere Schülerinnen und Schüler zu fördern, zu fordern, mit ihnen gemeinsam Schule zu leben, den Lebensraum Schule auszugestalten“ und bringt damit den Anspruch und das Ziel der inklusiven Marie-Pettenbeck-Schule auf den Punkt.  

Wie haben euch der Artikel über die Marie-Pettenbeck-Schule und die Themenwoche zur Inklusion gefallen? Konnten wir euch Anregungen geben? Was hat euch überrascht? Gebt uns euer Feedback gerne in den Kommentaren. 

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