Statistisches Bundesamt: Anteil der Quereinsteiger im Schuldienst auf 8,6 Prozent gestiegen

Statistisches Bundesamt: Anteil der Quereinsteiger im Schuldienst auf 8,6 Prozent gestiegen

Der Anteil der Quereinsteiger:innen an Schulen steigt deutlich an (Quelle: Canva)

Wiesbaden. Der Anteil der Quer- und Seiteneinsteiger:innen an deutschen Schulen ist in den vergangenen zehn Jahren von 5,9 auf 8,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitgeteilt hat. Circa 60.800 unterrichtende Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen haben dabei keine anerkannte Lehramtsprüfung abgelegt. Noch höher sind die Zahlen an beruflichen Schulen: 20,8 Prozent der Lehrkräfte gelten als Quer- oder Seiteneinsteiger:innen.

Der Lehrkräftemangel zwingt Schulen zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Damit der Unterrichtsbetrieb nicht noch weiter eingestellt werden muss, sind immer mehr Schulen auf Lehrkräfte angewiesen, die über kein abgeschlossenes Lehramtsstudium oder ein Referendariat verfügen. Und so schnell ist keine Veränderung in Sicht. Auf immer mehr Schüler:innen kommen immer weniger Lehrkräfte. Die Zahl der Lehramtsabsolvent:innen ist innerhalb von zehn Jahren um 10,5 Prozent gesunken, die Anzahl der Studienanfänger:innen sank ebenfalls um 7,0 Prozent. Im Jahr 2022 haben rund 28.700 Studierende das Studium erfolgreich abgeschlossen. Angesichts der bis 2025, von den Kultusministern erwarteten, 25.000 unbesetzten Stellen an den Schulen, reicht die Zahl der Absolvent:innen aber nicht aus. Der Deutsche Lehrerverband kritisiert die Zahlen  mit denen die Kultusminister operieren: Die Daten seien durch die Bildungspolitiker häufig geschönt und der wahre Mangel an Lehrkräften liege jetzt schon bei bis zu 40.000, erklärte der damalige Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger bereits im Januar

Gerhard Brand, Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) beschreibt die Situation um den Quer- und Seiteneinstieg wie folgt: „Die Zahlen zeigen: Das Arbeiten mit Kindern und die Sinnhaftigkeit des Berufs ziehen nicht nur Menschen an, die bereit sind, das Lehramtsstudium abzuschließen, sondern auch viele andere, die aus der Wirtschaft, anderen Studiengängen oder Ausbildungsberufen in die Schule wechseln.” Weiter sagt Brand, dass dies zwar auf der einen Seite ein Gewinn für die Schulen wäre, auf der anderen Seite aber auch gerade an Schulen, an denen höchste pädagogische Qualität und Kompetenzen gefragt wird, mit mehr Quereinsteiger:innen, weder Schüler:innen noch Lehrkräften geholfen wäre. 

Ob der Quereinstieg als Lehrkraft die Lösung des großen Problems des Lehrkräftemangels mit allen dazugehörigen Zweigen sein kann, ist ungewiss. Es  bleibt die Frage: Ist der Quereinstieg nur ein Deckmantel der Problemlösung?

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