Tipps und Materialien für den Umgang mit dem Nahostkonflikt im Unterricht

Tipps und Materialien für den Umgang mit dem Nahostkonflikt im Unterricht

Viele Schüler:innen haben Fragen rund um die aktuellen Vorgänge im Nahostkonflikt. (Quelle: Pixabay)

Lehrkräfte sehen sich aktuell mit der Herausforderung konfrontiert, dass ihre Schüler:innen über die Vorgänge im Nahen Osten sprechen wollen. Verschiedene Bildungspolitiker:innen fordern dies sogar explizit von Lehrkräften und gehen leichtfertig davon aus, dass sich jede Lehrkraft mit der Historie des Konflikts, dem aktuellen Geschehen, den verschiedenen Positionen und dem Umgang von extremen Meinungen zum Konflikt im Detail auskennt. Der Lehrerverband verstärkt dieses Bild und sagt, dass Lehrkräfte gut auf diese Situation vorbereitet seien. Bestimmt ist das auch der Fall, trotzdem können Lehrkräfte, gerade wenn sich in fachfremden Fächern unterrichten, sich durch diese neue Situation auch überfordert fühlen. Gerade weil viele Schüler:innen dabei starke und zum Teil sehr einseitige Meinungen mitbringen. Wie auch bei vielen Erwachsenen gibt es teils wenig Offenheit für Gegenpositionen. Das lässt Gespräche und Aufeinandertreffen verschiedener Meinungen über explizit dieses Thema schnell eskalieren. Bei einem Vorfall an einer Schule in Berlin ist es dabei sogar zu körperlicher Gewalt gekommen. 

Die Bearbeitung solch aktueller und emotionaler Themen ist extrem schwierig und bringt viele Fallstricke mit sich. Es bedarf einer Menge Fingerspitzengefühl und Mut, den Konflikt in der Klasse zu thematisieren und ein Gespräch darüber zu moderieren. Wir wollen euch Material vorstellen, mit dem ihr euch besser wappnen könnt, um Gesprächsräume rund um den Nahostkonflikt zu eröffnen. 

Materialien, die bei der Vorbereitung des Unterrichts helfen können

Wir haben einige Seiten für euch zusammengestellt, auf denen ihr allgemeine Informationen zum Konflikt und zum Teil auch direkt Lehrmaterial für euren Unterricht finden könnt. 

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat verschiedene Infos rund um die Thematisierung des Nahostkonflikt in Schulen zusammengetragen. Das Material ist anschaulich aufbereitet und bietet grundlegende Infos zu Konflikten generell und dem Nahostkonflikt im Speziellen.

Die Seite Planet Schule hat vorgefertigte Unterrichtsvorschläge zu dem Themenkomplex online gestellt. Ein Vorschlag nimmt eher die allgemeine Situation im Nahen Osten in den Blick, der andere fokussiert sich speziell auf den Konflikt zwischen Israel und Palästina

Bei der Berichterstattung über den Nahostkonflikt fällt immer wieder das Wort Gazastreifen. Die Kindernachrichtensendung logo hat zusammengefasst, um welches Gebiet es dabei geht. In einem Dossier des Bildungsservers findet sich mehr zur Geschichte und des Konflikts in dem Gebiet.

Die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus bietet Unterrichtsmaterial zur frei verfügbaren 50-minütigen Dokumentation “1948: Jüdischer Traum, arabisches Trauma” (YouTube), in der die Entstehung des Staates Israel und die Perspektiven von jüdischen und arabischen Bevölkerungsgruppen zur Gründungszeit Israels aufgezeigt werden. 

Im Gespräch mit Kindern und Jugendlichen können antisemitische und rassistische Stereotypen-Aussagen aufkommen. Auf der Seite nichts-gegen-juden gibt es eine Auswahl häufiger Vorurteile und Aussprüche, die eingeordnet und mit Vorschlägen zur Entkräftung versehen sind. 

Erziehungswissenschaftlerin Dr. Rosa Fava hat auf der Seite anders-denken einen Beitrag dazu verfasst, worauf es zu achten gilt, wenn man Lehr- und Lernmaterial zum Nahostkonflikt sucht. Auf der gleichen Seite gibt es auch eine umfassende Sammlung von Unterrichtsmaterialien zur Thematisierung von Antisemitismus

Die Antonio Amadeu Stiftung hat sich einem darauf aufbauenden Thema gewidmet und zwar dem Drahtseilakt zwischen legitimer Kritik, israelbezogenen Antisemitismus und pädagogischen Interventionen.

Einige Einrichtungen der Bundesländer geben ihren Lehrkräften zusätzliche Unterstützungsangebote mit an die Hand. Hier zum Beispiel das Land Bayern oder Berlin-Brandenburg

Sich Hilfe von außen suchen

Bei einem so komplexen Thema wie dem Nahostkonflikt kann es sinnvoll sein, sich Unterstützung aus Fachkreisen zu holen. Es gibt Angebote verschiedener Träger, die Fachpersonal an Schulen entsenden, um dort ganze Schuleinheiten zu leiten oder zumindest dabei beratend tätig zu sein. Beispiele dafür sind das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment und das Projekt ju:an der Antonio Amadeu Stiftung.

Bei Konflikten mit rassistischem Bezug oder religiös-diskriminierenden Beweggründen lässt sich unter anderem die Antidiskriminierungsstelle des Bundes kontaktieren.

Wie kann der Gesprächsrahmen aussehen?

Die Schüler:innen haben viele Fragen rund um den Konflikt, die sie zum Teil zu Hause nicht offen besprechen können. In der Klasse besteht die Chance, einen Rahmen zu schaffen, in dem sie ihre Fragen loswerden können. Viele kreative Gesprächsmethoden, die sich bei Diskussionen in Klassen anwenden lassen, kommen hier an ihre Grenzen. Einige sind zu spielerisch, andere berücksichtigen nicht die emotionale Härte des Themas. 

Eine Möglichkeit wäre es, Fragen der Schüler:innen erstmal zu sammeln und daraus für eine weitere Einheit Themenkomplexe zu bilden, denen man sich im Einzelnen widmet. Hierbei besteht der Vorteil, dass man sich in die Themen spezifischer einarbeiten und dadurch die Einheiten gezielter vorbereiten kann. 

Auch der Einstieg über Lehrmaterial der zahlreichen Plattformen in diesem Bereich ist möglich. Hierbei lässt sich ebenfalls bereits eine thematische Linie erahnen und die Vorbereitung kann genauer darauf ausgerichtet sein.

Die vielleicht anspruchsvollste Form ist ein Gesprächsformat, welches einfach alle Fragen zulässt, die die Schüler:innen beschäftigen und über die man mit der Klasse direkt ins Gespräch kommt. Dies ist sehr herausfordernd, weil ein Spagat gelingen muss zwischen der Möglichkeit, Meinungen zu äußern und der Notwendigkeit, antisemitischen Äußerungen oder islamfeindlichen Aussagen entschieden entgegenzutreten. Dazu muss man sich auch firm in der Informationslage zum Thema fühlen, da Fake News schnell als solche entlarvt werden sollten.

Wo finden ich und meine Schüler:innen verlässliche aktuelle Informationen?

Schüler:innen und Lehrkräfte suchen in einer so dynamischen Situation wie derzeit im Nahen Osten nach aktuellen Informationen. Es gibt dabei viele gute Nachrichtenseiten, aber auch unseriöse Seiten, die tendenziös oder sogar gezielt falsch informieren.

Für eine verlässliche Perspektive steht die Seite der Tagesschau. Die Redaktion arbeitet mit hohen journalistischen Standards und die meisten Schüler:innen kennen die Nachrichtenseite bereits. Bei aktuellen Entwicklungen hält sie mit einem Live-Ticker auf dem Laufenden. Noch ausführlicher und aktueller informiert die britische BBC, die bereits seit vielen Jahrzehnten von ihren Lesern für ihre unparteiische Berichterstattung (nicht nur) über den Nahostkonflikt geschätzt wird.

Um einen guten Überblick über die internationale Berichterstattung zu haben, ist eurotopics zu empfehlen. Die Seite funktioniert im Stile einer internationalen Presseschau. 

Um in der Informations-Flut kompetent mit Meldungen umzugehen, empfiehlt es sich auch, das Thema Fake News genauer in den Blick zu nehmen. Auf der Seite von klicksafe gibt es hierzu diverse Unterrichtsmaterialien. Und das Medienmagazin zapp hat dazu ein aktuelles Video produziert, das sich explizit mit dem Konflikt im Nahen Osten beschäftigt. Neben expliziten Fake News ist es auch wichtig, auf eine ausgewogene Berichterstattung zu achten. Einige Medienkanäle informieren nämlich faktisch richtig, aber zum Teil sehr einseitig. 

Bei all den Herausforderungen, die die Bearbeitung des Nahostkonflikts mit euren Schüler:innen für euch mit sich bringt, ist es wichtig, auf eure psychische Gesundheit und die eurer Schüler:innen zu achten. Sowohl für euch als auch für sie kann es sehr aufwühlend und teilweise auch überfordernd sein, sich mit den Vorgängen auseinanderzusetzen. Ihr könnt euch per Telefon, Mail, WhatsApp-Nachricht und auf vielen weiteren Wegen Hilfe holen und diese Adressen auch euren Schüler:innen zur Verfügung stellen.. 

Habt ihr weitere hilfreiche Seiten im Netz oder Materialien zur Unterrichtsvorbereitung für eure Kolleg:innen? Dann schreibt es gerne in die Kommentare!

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