47.500 Jugendliche ohne Abschluss: GEW fordert Konsequenzen

Gütersloh. Rund sechs Prozent der Jugendlichen, 47.500 Personen, beendeten das Jahr 2021 ohne Schulabschluss. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung, die Lehrer-News vorliegt. Besonders oft betroffen sind demnach Jugendliche mit Migrationshintergrund. 

Die Bertelsmann Stiftung beauftragte den Bildungsforscher und Lehrerarbeitsmarkt-Experte Klaus Klemm für die Studie unter dem Titel “Jugendliche ohne Hauptschulabschluss”. Klemm kam zu dem Ergebnis, dass jährlich Zehntausende von Heranwachsenden die Pflichtschulzeit beenden, ohne den Hauptschulabschluss erlangt zu haben. Bei rund sechs Prozent, also etwa 47.500 Jugendlichen, mangelt es an einem Schulabschluss im Jahr 2021. Diese Zahl hält sich schon seit 2011, wie ein Zehnjahresvergleich zeigt.

Der Mangel an Schulabschlüssen stellt nicht nur ein Problem für die ehemaligen Schüler:innen dar, die Schwierigkeiten mit dem Einstieg in die Arbeitswelt haben, sondern auch für die Gesellschaft selbst. Der prävalente Fachkräftemangel lag allein zwischen 2021 und 2022 bei 537.923 Stellen, die nicht besetzt werden konnten, da der derzeitige Arbeitsmarkt keine qualifizierten Arbeiter:innen bereitstellt. Jede:r Schulabgänger:in ohne Abschluss ist eine verbleibende freie Stelle in dieser ohnehin großen Lücke.

Besonders Heranwachsende ohne deutsche Staatsangehörigkeit sind mit 13,4 Prozent stärker gefährdet, verglichen mit deutschen Schulabgänger:innen, bei denen ca. 4,6 Prozent ohne Abschluss die Schule verlassen. Ebenfalls besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit für Jungen mit 60 Prozent im Gegensatz zu Mädchen, die Pflichtschulzeit ohne Abschluss zu beenden.

Ein stagnierendes Problem und was gefordert wird

Innerhalb einzelner Bundesländer gab es sowohl positive als auch negative Entwicklungen, aber in der langjährigen Tendenz keine deutliche Verbesserung der Situation. So gab es seit 2011 eine Steigerung in Bremen, Rheinland-Pfalz und im Saarland, sowie eine Senkung im selben Zeitraum in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Die Prozentsätze an Schulabgänger:innen ohne Abschluss reichen von Bayern mit 5,1 Prozent zu Bremen mit 10 Prozent.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, empfiehlt die Bertelsmann Stiftung, Jugendliche mit schwächeren Leistungen gezielter in den Schulen zu fördern, sowie andere erlernte Kompetenzen zu dokumentieren, die sich nicht nur auf den klassischen Abschluss fokussieren. Das Übermitteln von Daten der Schüler:innen ohne berufliche Perspektiven an Jobcentren, hilft der Berufsberatung einfacher in Kontakt mit den Schüler:innen zu kommen. Die geplante Ausbildungsgarantie der Bundesregierung kann ebenfalls helfen, indem auch Personen ohne Hauptschulabschluss eine Ausbildung erlangen. Auch die GEW fordert Maßnahmen, in der Form eines inklusive Schulsystems, in dem alle Kinder gleichberechtigt sind und nach ihren persönlichen Bedürfnissen lernen können. Ein System abseits des viergliedrigen Bildungssystem unter der Begründung, dass ohne Unterstützung von Eltern dieses System versagt bei Schüler:innen.

Die Studie selbst findest du hier.

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