The American Way of Learning – So geht Schule in den USA

The American Way of Learning – So geht Schule in den USA

Ein Blick hinter die Kulissen des amerikanischen Bildungssystems (Quelle: Envato)

Footballspielende Muskelprotze in College-Jacken, coole Cliquen in gelben Schulbussen und blondierte Cheerleaderinnen im Konkurrenzkampf. So stellen sich viele Deutsche vermutlich den amerikanischen Schulalltag vor. Doch die durch Film und Fernsehen transportierten Bilder haben nur oberflächlich mit dem Alltag an nordamerikanischen Schulen zu tun. Im Folgenden werden wir unsere Serie “Bildungssysteme der Welt" fortführen und einen Vergleich zwischen dem US-amerikanischen und unserem deutschen System ziehen, wie wir es bereits zuvor mit Frankreich und Schweden gemacht haben. 

Der geradlinige Weg durch das amerikanische Schulsystem

Der Weg eines Kindes in das Bildungssystem startet in den meisten Fällen mit vier bis fünf Jahren. In diesem Alter besteht die Möglichkeit, jedoch keine Verpflichtung wie in Deutschland, den sogenannten Kindergarten zu besuchen. Im Gegensatz zum deutschen Begriff ist hiermit jedoch keine Betreuungseinrichtung, sondern eine Art Vorschule gemeint und dient der Vorbereitung auf die Primary School.

Das Abenteuer Schule beginnt in den Vereinigten Staaten in der Regel mit sechs Jahren. Die Primary School ist hierbei vergleichbar mit der deutschen Grundschule und kann je nach Schulbezirk vier, fünf oder sechs Jahre dauern. Bei den Schulbezirken verhält es sich ähnlich wie mit den Kommunen in Deutschland, auch in den Vereinigten Staaten werden die Schulen nicht landesweit organisiert, sondern von den jeweiligen Bundesstaaten und Bezirken, wodurch Unterschiede in Struktur, Ausstattung, Lehrplänen, etc. entstehen können.

Nach Abschluss der Primary School folgen die sogenannte Junior Middle High oder die Middle School. Beide gehen in der Regel von der siebten bis zur neunten Klasse und unterscheiden sich darin, dass die jeweiligen Fachlehrer:innen an der Middle School interdisziplinär zusammenarbeiten, während es bei der Junior Middle High klare Abtrennungen zwischen den einzelnen Fächern gibt. Ab der Junior High School bis zur Beendigung der Schullaufzeit tritt ein Kurssystem, ähnlich der gymnasialen Oberstufe in Deutschland, an die Stelle von Klassenverbänden.

Im Anschluss folgt der Besuch der High School, welche in Abgrenzung zur Junior Middle High auch oftmals als Senior Middle High bezeichnet wird. Diese geht in der Regel von der zehnten bis zur zwölften Klasse.

Nach Abschluss der zwölften Klasse erhalten die Schüler:innen ein sogenanntes High School Diploma, welches jedoch alleine nicht reicht, um ein College (das Gegenstück zu Hochschulen in Deutschland) zu besuchen. In der Regel muss zusätzlich nämlich noch ein Scholastic Assessment Test (SAT) absolviert werden, um die Eignung der Schüler:innen für das Studium festzustellen. Die Schulpflicht in Amerika endet mit Beginn des 16. Lebensjahres, während diese in Deutschland offiziell bis zum Beginn des 18. Lebensjahres läuft.

Der amerikanische Schulalltag: Zwischen Klischees und Wirklichkeit

In der Regel beginnt der Alltag vieler Schüler:innen mit der Fahrt in einem (bestimmt nicht immer gelben) Schulbus und beinhaltet Unterricht meist bis mindestens 15 Uhr, ein kostenpflichtiges Mittagessen in der Schulmensa, sowie Hausaufgaben für den Nachmittag. Eine Schuluniform ist im Allgemeinen unüblich, jedoch gibt es an vielen Schulen strenge Kleidungsvorschriften. Der Unterricht besteht zu großen Teilen aus Frontalunterricht und im Gegensatz zu dem System vieler deutscher Schulen haben die Lehrkräfte ihre festgelegten Klassenzimmer, sodass die Schüler:innen in der Regel nach jeder Unterrichtseinheit den Raum wechseln. Ebenfalls anders als in Deutschland ist, dass die Klassen ab Beginn der Primary School bis zur Auflösung in der Junior Middle High jedes Jahr aufs neue durchgemischt werden, um Cliquenbildung zu verhindern. Tests werden in der Regel häufiger geschrieben als in Deutschland üblich und die Schulnoten werden nicht in Ziffern von eins bis sechs, sondern in Buchstaben von A (sehr gut) bis F (nicht bestanden) wiedergegeben, wobei der Buchstabe E jedoch ausgelassen wird. Im Anschluss an den Unterricht bieten viele amerikanische Schulen sogenannte Extracurricular activities, also Freizeitangebote in der Schule, darunter fallen beispielsweise diverse Sportarten, Theatergruppen und Debattierclubs.  

Kritiker bemängeln die Ungleichheit des amerikanischen Bildungssystems. Die Schulen finanzieren sich zu einem beträchtlichen Teil aus der in den Bezirken eingenommenen Vermögenssteuer, weshalb die Schulen, welche sich in wohlhabenden Gegenden befinden, über erheblich höhere Budgets verfügen, was sich in der Ausstattung, den Gehältern der Beschäftigten, etc. niederschlägt. Die USA schnitt in der vergangenen PISA-Studien im unteren Mittelfeld ab, was sich insbesondere auch auf die Verhältnismäßig hohen, jedoch weniger effizienten Ausgaben im Bildungsbereich zurückführen lässt. 

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass es einige Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Bildungssystem gibt. Nicht nur, dass es keine verschiedenen Schularten wie in Deutschland gibt, sondern auch die Unbeständigkeit von Klassen und der frühe Wechsel zum Kurssystem können Cliquenbildung und Abgrenzung vorbeugen. Der Großteil der durch Medien verbreiteten Klischees über das amerikanische Schulsystem entpuppt sich als Überspitzung, einige zentrale Elemente wie der obligatorische Schulbus und das Kantinenessen in der Mittagspause haben jedoch definitiv einen wahren Ursprung. Abseits dessen weist das amerikanische Bildungssystem aufgrund von Ungleichheit und fehlender Effizienz auch einige Missstände auf. 

Was haltet ihr von dem amerikanischen Bildungssystem? Welche Elemente sollten in das deutsche System übernommen werden? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

Anzeige
Mehr zum Thema
Neuste Artikel
Kommentare
No items found.