Verstärkte Bildungsungerechtigkeit durch Corona

Gepostet von
Anna Schröder
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15
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September 2022
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Verstärkte Bildungsungerechtigkeit durch Corona

Frankfurt am Main. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert im September 2022 die Maßnahmen zur Aufarbeitung der Bildungslücken, welche durch die Coronapandemie entstanden sind. Die aktuelle Studie “Aufholen nach Corona?” zeigt, wie Förderprojekte ins Leere gehen und ihre Zielgruppe nicht erreichen. 

Bildungsungerechtigkeit verschärft sich

Schon vor der Coronapandemie gingen die Bildungschancen für Deutschlands Nachwuchs weit auseinander. Kinder aus bildungsschwachen Familien erreichen selten einen hohen Schulabschluss. Durch Corona wurde die Bildung von der Schule nach Hause verlagert. Darunter haben besonders Kinder aus sozial benachteiligten Familien gelitten. Die Eltern haben oft keine Zeit für eine ausreichende Förderung und manchmal auch selbst keine abrufbare Grundbildung. Zu der mangelnden oder nur sporadisch verfügbaren Lehre kommt die psychische Belastung durch die Begleiterscheinungen der Pandemie. Kinder und Jugendliche leiden mitunter am meisten an der sozialen Abgrenzung und dem ständigen Zuhausesein – insbesondere wenn es zuhause häufig turbulent zugeht und keine Rückzugsmöglichkeiten bestehen. 

Die Herausforderungen im Bereich der mentalen Gesundheit und des Lernens, vor die Kinder die Kinder gestellt wurden, haben bundesweit für Leistungsdefizite gesorgt. Insbesondere in der Elementarschule, in der Kinder Lesen und Schreiben lernen, sorgen die Gegebenheiten der letzten Jahre für Schwierigkeiten. In dieser Altersklasse fällt es Kindern besonders schwer eigenständig zu lernen und sie bedürfen einem hohen Grad an Betreuung und Lehre. Das kann nicht jedes Elternhaus bieten. Genauso wie das nötige Equipment, um zuhause effektiv am Online-Unterricht teilnehmen zu können. Dadurch kam es während der Pandemie vor allem bei den Kindern aus sozial oder finanziell benachteiligten Familien zu einem Nachholbedarf. 

Kritik an Maßnahmen des Bundes

Die Krise hat Bildungslücken erzeugt, doch wie sieht es jetzt aus, wo langsam wieder Normalität eintritt? Welche Maßnahmen werden ergriffen, um geschehene Defizite wieder aufzuholen? Der Bund hat verschiedene Post-Corona Maßnahmen und Förderprojekte ins Leben gerufen. Insgesamt stellte die Regierung deutschen Schulen 430 Millionen Euro zur Verfügung, damit sie die Folgen der Pandemie erfolgreich aufarbeiten können. Das Aktionsprogramm ging unter dem Namen “Ankommen und Aufholen” publik. Doch kann das Projekt, laut der von der Max-Traeger-Stiftung der GEW unterstützten Studie, sein Versprechen nicht halten und Bildungslücken nicht vollständig schließen. Kleine Erfolge seien durchaus zu verzeichnen und das Geld sei bitter nötig, betont Besinger-Stolze, Vorstandsmitglied der GEW. Gleichzeitig fordert sie aber eine konsequente Förderung, um die Schieflage auszugleichen und die momentane Bildungsungerechtigkeit einzudämmen: “Hier müssen die Bundes- und die Landesregierungen ein größeres Rad drehen.” Zudem treffe die Förderung nicht die Kinder, die es am nötigsten haben. Freiwillige Förderangebote oder sogenannte “Lernferien” kommen nicht bei benachteiligten Kindern an, da ihren Eltern häufig die Kapazität fehlt, sich ausgiebig zu informieren und zu kümmern. 

Der Aufholbedarf bei Schüler:innen nach der Coronapandemie ist nicht zu leugnen. Jedoch reicht das 430 Millionen schwere Aktionsprogramm der Bundesregierung nicht, um entstandene Lücken zu schließen. Laut GEW sind die Angebote nicht zielgruppenorientiert und zu kurzfristig, um das Bildungsungleichgewicht in Deutschland effektiv zu bekämpfen.

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