Zielscheibe Lehrer – Mobbing im Beruf

Gepostet von
Anna Schröder
|
20
.
October 2022
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Zielscheibe Lehrer – Mobbing im Beruf

Immer mehr Lehrkräfte müssen Beleidigungen, Bloßstellungen im Internet und sogar körperliche Angriffe erfahren. Das zeigt eine Studie, die vom Verband Bildung und Erziehung (VBW) initiiert wurde. Dem Thema wird wenig Beachtung geschenkt, da Mobbing in unserer Gesellschaft häufig ausschließlich als Problem von Kindern und Jugendlichen wahrgenommen wird. Jedoch sind insbesondere Lehrkräfte durch ihre Arbeit mit jungen Menschen in einem besonders sensiblen  Berufsfeld betroffen. 

Ab wann spricht man von Mobbing?

Kleine Sticheleien oder vereinzelte Beleidigungen sind ärgerlich, gelten aber noch nicht als Mobbing. Der Begriff ist klar definiert und wurde vor allem von Heinz Leymann geprägt: Mobbing ist eine konfliktbelastete Kommunikation und beruht auf einem Machtgefälle. Es passiert regelmäßig, mindestens einmal pro Woche und bestimmt maßgeblich die Beziehung der beiden Parteien. Auch wenn Mobbing häufig von mehreren Tätern ausgeübt wird, gibt es meist nur ein Opfer, auf das sich die verbalen oder digitalen Angriffe konzentrieren. Beim Stichwort digital kommen wir nicht um den Begriff Cybermobbing herum. Besonders in der heutigen Zeit, wo soziale Netzwerke eine prägende Komponente des Alltags der Schüler:innen sind, wird Mobbing ins Internet verlagert. Hier ist die Täterverfolgung häufig schwer und die Folgen besonders weitreichend. Bilder und Beiträge können zwar gemeldet und daraufhin gelöscht werden, waren jedoch zu der Zeit meist lang genug online, um verbreitet oder gedownloadet zu werden. Ob digital oder verbal, Mobbing ist für die Betroffenen eine große Belastung, die in Extremfällen bis zum Suizid führen kann.

Von welcher Seite kann Mobbing Lehrkräfte treffen?

Wenn Schüler:innen zu Täter:innen werden

Mobbing von Schüler:innen ist schwierig auszuweichen und zu begegnen. Vor allem im letzten Jahrzehnt nutzen Schüler und Schülerinnen immer häufiger das Internet, um Lehrer:innen zu degradieren – Cybermobbing. Es gibt jedoch laut der Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) auch einen Anstieg körperlicher Angriffe seitens der Schüler:innen, vor allem in Grundschulen. Häufig verlieren Lehrkräfte irgendwann die Geduld und es kommt auch von ihrer Seite zu Beleidigungen und manchmal sogar gewalttätigem Handeln. Um es nicht so weit kommen zu lassen, müssen Lehrkräfte ernst genommen werden. Probleme solcher Art werden häufig verdrängt oder für unwichtig gehalten. Manchmal aus einem Unverständnis heraus oder auch aus Angst vor der Reaktion der Eltern, welche nicht selten Mobbingattacken ihrer Lieblinge eher verteidigen als dagegen vorzugehen. Wenn es zu Mobbingattacken von Schüler:innen kommt, sollte zunächst das Gespräch gesucht werden, eventuell im Beisein von Kollegen oder der Schulleitung. Es kann helfen, eine Lehrkraft zu dem Gespräch einzuladen, welche von dem Schüler oder der Schülerin respektiert und hoch geschätzt wird. Bei extremen Fällen, zum Beispiel, wenn körperliche Gewalt eingesetzt wird, sollte der oder die Betroffene nicht davor zurückschrecken, Anzeige zu erstatten. Um Mobbing von Schüler:innen, ob untereinander oder gegen Lehrkräfte, vorzubeugen, sollten regelmäßig Unterrichtsstunden zur Mobbing- und Cybermobbingprävention in allen Klassen durchgeführt werden. Niederländische Schulen sind schon seit 2016 dazu verpflichtet, Schulkinder zu dem Thema aufzuklären. Mit Erfolg – die Zahl der von Mobbing betroffenen Schüler:innen ist seitdem von 25 auf 15 Prozent gesunken.

Mobbing im Lehrerzimmer 

Angesichts des zunehmenden Lehrkräftemangels und diversen Krisen, die Lehrkräfte vor besondere Herausforderungen stellen, wächst auch der Stress im Lehrerzimmer. Stress ist ein Faktor, der Mobbing begünstigen kann. Es gibt jedoch viele Gründe, warum Kollegen anfangen zu mobben. Beispielsweise sind manche Lehrkräfte nicht davon begeistert, wenn junge ambitionierte Lehrer und Lehrerinnen Veränderungen anstoßen wollen und im schlimmsten Fall von den anderen Lehrkräften zusätzlichen Einsatz fordern. Oder in einer bereits angespannten Lehrsituation fällt ein Kollege ständig krankheitsbedingt aus und andere Lehrkräfte müssen sein Fehlen ausgleichen – da kommt Frust auf, der sich im schlimmsten Fall als Mobbing manifestiert. Doch was tun, wenn im Lehrerzimmer gemobbt wird? 

Wenn ihr nicht die betroffene Person seid und Mobbing im Lehrerzimmer mitbekommt, sprecht den Mobber direkt an. Macht die Person auf ihr Verhalten und dessen Folgen aufmerksam. Falls es sich nicht auf diesem Weg klären lässt, ermutigt die betroffene Person – vielleicht auch mit eurer Unterstützung – das Gespräch mit der Schulleitung zu suchen.

Wenn ihr betroffen seid: Sprecht zunächst mit einem Kollegen des Vertrauens und lasst die Situation prüfen. Ist das wirklich Mobbing oder hatte der Kollege nur mal einen schlechten Tag? Wenn eure Wahrnehmung bestätigt wurde, solltet ihr die Situationen, in denen ihr gemobbt werdet, genau dokumentieren. Daraufhin könnt ihr entscheiden, ob ihr eine offizielle Beschwerde einlegen wollt. Das geht zum Beispiel beim Lehrerrat, der Schulleitung oder auch der Bezirksregierung. Häufig kann jedoch schon ein Gespräch aller Parteien mit der Schulleitung helfen.

 

Wenn die Schulleitung mobbt, liegt eine besondere Form des Mobbings durch Kollegen bzw. Vorgesetzte vor. Hierbei solltet ihr ebenfalls die oben geschilderten Schritte beachten. Also die eigene Wahrnehmung bestätigen lassen, dokumentieren und dann direkt, wenn möglich, den Lehrerrat eures Bundeslandes oder die Bezirksregierung informieren.

Mobbing durch Eltern 

Eine weniger häufige Form ist das Mobbing gegen Lehrkräften ausgehend von Eltern. Durch den unregelmäßigen Kontakt zwischen Lehrkraft und Eltern kommt das aber eher selten vor. Wenn ihr trotzdem betroffen seid, informiert die Schulleitung zeitnah. Sie kann dann Vorwürfe von den Eltern direkt richtig einordnen und hinterfragen. Häufig steht Angst um das eigene Kind hinter Mobbingattacken von Eltern. Solltet ihr von dieser Motivation ausgehen, kann ein persönliches klärendes Gespräch hilfreich sein. Wenn ihr euch von Elterngruppen gemobbt fühlt, kann es helfen, am Elternabend Kollegen zur Rückendeckung dabei zu haben. Dadurch könnt ihr eine ausgeglichene Gesprächssituation herstellen. 

Habt ihr schon mal Erfahrungen mit Mobbing machen müssen oder Kollegen darunter leiden sehen? Schreibt es in die Kommentare!

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