Zum Weltlehrertag: Das muss sich ändern, damit der Lehrerberuf wieder attraktiv wird

Zum Weltlehrertag: Das muss sich ändern, damit der Lehrerberuf wieder attraktiv wird

Am 5. Oktober ist Weltlehrertag im Gedenken an die “Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer” (Quelle: Canva)

Lehrer News hat passend zum Weltlehrertag mit Lehrkräften und Bildungsinfluencer:innen gesprochen. Mit der Frage “Was ist dein Wunsch oder deine Forderung, die du der Politik gerne mitgeben möchtest?” ist es unser Ziel, zusammen mit den Antworten der Creator:innen herauszufinden, was sich ändern muss, damit der Beruf der Lehrkraft attraktiver wird.  

Bessere Bezahlung, mehr Anerkennung, praxisnahe Ausbildung, weniger Stress und mehr Personal – Das sind Elemente, denen wahrscheinlich viele Arbeitnehmer:innen zustimmen würden, wenn man sie auf eine attraktivere Gestaltung ihres Jobs ansprechen würde. Viele Firmen, Institutionen und Betriebe laufen auf Sparflamme. Es herrscht ein Fachkräftemangel in vielen Branchen. Doch durch die zunehmende Digitalisierung, neue Technologien und künstliche Intelligenz werden auch Wege und Pforten für neue Jobs geöffnet. Wenn wir der älteren Generation erzählen, dass wir ein Studium beginnen, um später Customer Experience Manager zu werden, könnten wir vermutlich auch versuchen, einem dreijährigen Kind den Satz des Pythagoras zu erklären. Damit es aber überhaupt dazu kommt, dass der Satz des Pythagoras erklärt werden kann, braucht es neben dem mathematischen Verständnis vor allem eines: Lehrkräfte.

Der Beruf der Lehrkraft steht kurz vor dem Kollaps

Ein Beruf, der häufig unterschätzt wird, der belächelt wird mit Worten wie “Beschwer dich doch nicht, du hast schließlich sechs Wochen Sommerferien” und der zunehmend unattraktiver für junge Menschen wird. Ein Beruf, der früher in vielen Freundebüchern bei “Mein Traumjob” stand, findet heute kaum noch Personal. Ein Beruf, der lange Zeit als krisensicher galt, steckt nun selbst tief in der Krise.

Über tausende offene Stellen an den Schulen, vorhandene Lehrkräfte, die meist völlig ausgelaugt sind und an ihre Grenzen gehen. Eine bedarfsgerechte Förderung für die einzelnen Schüler:innen ist bei einer Klassengröße von bis zu 30 Schüler:innen nicht mehr durchsetzbar. Tausende neue Schüler:innen, die vor dem Krieg geflüchtet sind und ein immer noch streng zulassungsbeschränkter Studiengang, der nicht genügend Praxis bietet, führen dazu, dass Lehrkräfte nicht länger den Samariter spielen und die Auffangschale der Bildungspolitik sein können.

Was muss sich ändern, damit Schüler:innen nicht irgendwann vor gänzlich leeren Tafeln sitzen?

Einig sind sich wohl alle Lehrkräfte in Deutschland: So wie es ist, kann es nicht weitergehen! Frances the_focused_moment wünscht sich, dass “Lehrkräfte stärker entlastet werden”. Durch die Entlastung der Lehrkräfte können sie ihr “Potenzial in den Schulen entfalten und so bestmöglich für ihre Schüler:innen da sein”. Außerdem, dass “die Lehrergesundheit mehr in den Fokus rückt”, denn nur wenn es allen gut geht, können Lehrkräfte und Schüler:innen von- und miteinander lernen. Die ausgebildete Yogalehrerin verfolgt zusammen mit ihren Followern ihre Mission: Schulen zu einem schöneren Ort machen, indem sie die Lehrkräfte dabei unterstützt, in ihre Kraft zu kommen und die persönliche Entwicklung und Achtsamkeit als Themen in die Schulen bringt. 

Lehrkräfte haben einen starken Bezug zu ihren Schüler:innen. Sie sehen sich beinahe täglich und wissen um die Bedürfnisse der Schüler:innen. Durch diesen nahen Bezug und die umfassenden Kenntnisse und Einblicke der Lehrkräfte wünscht sich die “iPad-Lehrerin” Verena projekt_klassentraum, dass “Lehrkräfte stärker in Bildungsentscheidungen einbezogen” werden sollten. Lehrkräfte sitzen an der direkten Quelle und es wäre nur logisch, wenn sie an den Entscheidungen für ihre Arbeit teilhaben könnten. Schließlich stellt ja auch niemand einen Landwirt für eine Stelle als Sportreporter ein. 

Warum sollen wir Schüler:innen weiterhin dazu zwingen, sich durch den Musikunterricht zu quälen, wenn die Kompetenzen ganz eindeutig in den Sprachen liegen? Die Zeiten, in denen Schüler:innen von A bis Z alles vom Lehrplan lernen und wissen müssen, gehören in die Vergangenheit. Die Entlastung der Lehrkräfte und damit auch die “Entrümpelung der Lehrpläne” wünscht sich Kerstin _birdy_at_school. Mit der Aufräumung des Lehrplans und “veränderten Unterrichtsstrukturen, durch die mehr Platz für lebensnahes und kompetenzorientiertes Lernen stattfinden kann”, sollen die Schüler:innen weiter in den Bereichen gestärkt und gefördert werden, in denen ihre Stärken liegen. 

Bildungsinfluencer fordern mehr finanzielle Unterstützung für die Schul- und Klassenräume (Quelle: Canva)

Geld regiert die Welt. Aber Geld regiert vor allem die Möglichkeiten für den Ausbau von Notwendigkeiten an Schulen, die wohlfühlende Gestaltung von Klassenräumen und die Förderung der Schüler:innen. “Mehr Geld in die Schulen zu investieren, anstatt in die Verwaltung und die Bürokratie” fordern sowohl Viola die.schulexpertin, als auch Georgia georgia_special_education. Um alle Kinder zu erreichen und bestmöglich zu fördern, muss Geld dahin fließen, wo es dringend gebraucht wird: “bei unseren Kindern, bei den Lehrkräften, in die Schulen”. Die Schüler:innen verbringen fast die Hälfte ihres Tages in der Schule und in ihren Klassenräumen. Die Modernisierung von Schulen ist unerlässlich, damit die Kinder und Jugendlichen in Räumlichkeiten lernen können, in denen sie sich wohlfühlen und die eine angenehme Lernatmosphäre schaffen. 

Der wichtigste Beruf in Deutschland ist und bleibt, der der Lehrkraft”, so lautet die Aussage von Bob Blume, auch bekannt als der Netzlehrer. Der Bildungsinfluencer netzlehrer, der mit seinem Buch “Zehn Dinge, die ich an der Schule hasse: Und wie wir sie ändern können” Bestseller-Autor wurde und im Jahr 2022 zum Blogger des Jahres gekürt wurde, stellt eine auf den ersten Blick simple Forderung an die Politik: Zeit“Zeit dafür haben, mit den jungen Menschen auch wirklich zu arbeiten, sie zu unterstützen und zu fördern”. Doch woher sollen die Lehrkräfte die Zeit nehmen, sich gleichzeitig um 30 Schüler:innen zu kümmern, dabei immer neue kreative Unterrichtsgestaltung zu planen, Klassenarbeiten zu korrigieren, auf spezielle Förderung und Bedürfnisse einzelner Schüler:innen einzugehen, Pausenaufsichten zu halten und dabei die eigene mentale Gesundheit nicht aus den Augen zu verlieren? 

Entlastung von Lehrkräften, Entrümpelung des Lehrplanes, Partizipation an Bildungsentscheidungen, veränderte Unterrichtsstrukturen, finanzielle Unterstützung für die Gestaltung von Schulen und Klassenräumen, mehr Geld für die gezielte Förderung von Schüler:innen und: mehr Zeit. Das sind die am häufigsten geforderten Maßnahmen von Lehrkräften und Bildungsinfluencer:innen, welche sie der Politik und Gesellschaft mit auf den Weg geben. Solange sich in dem Schulsystem und in der Bildungspolitik nichts ändert, dreht sich das Rad weiter und weiter. Solange bis irgendwann nichts mehr vorhanden ist, woran sich das Rad drehen kann. Und dann ist es zu spät, um es neu zu erfinden. 

Was sind eure Forderungen und Wünsche an die Politik? Fehlt noch was in der Liste? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

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