Ob Halbschlaf oder Wirbelwind: So holt ihr eure Klassen mit dem richtigen Unterrichtsstart ab

Ob Halbschlaf oder Wirbelwind: So holt ihr eure Klassen mit dem richtigen Unterrichtsstart ab

Ein kurzes Einchecken in der Klasse vor dem Unterricht. (Quelle: Canva)

Wer kennt es nicht? Kurz vor acht Uhr morgens, müde Gesichter, leere Augen und eine Stimmung, die oftmals nichts Gutes vom Tag verspricht. Dazu kommen so manche Unruhestifter, die in der Klasse schon vor der ersten Stunde unausgelastet und gelangweilt scheinen. Wie kann man den gerade erst aufgestandenen Schüler:innen einen kleinen Motivationsschub geben und außerdem die nötige Konzentration für den Schultag steigern? In diesem Artikel findet ihr ein paar Ideen für einen möglichst entspannten Unterrichtsstart, von denen die ganze Klasse profitiert und ihr euch ein paar Nerven am frühen Morgen sparen könnt.

Die perfekte Morgenroutine

Eine Art, in den Schultag zu starten, ist eine fest etablierte  Morgenroutine. Immer gleich ablaufende Routinen bieten Menschen nachweislich Sicherheit und sorgen für eine Tagesstruktur, an der sich alle Schüler:innen orientieren können. Zudem stimmen Routinen, die mit einer bestimmten Aufgabe oder Aktivität verknüpft sind, besonders gut auf eine eher unbeliebte oder anstrengende Tätigkeit ein. Grund dafür ist ein Automatismus, der durch die Verbindung zweier Aktivitäten ausgelöst wird und die Hemmschwelle senkt, mit etwas zu beginnen. Für Schulklassen können geeignete Morgenroutinen so divers sein, wie die Schüler:innen selbst. Wichtig ist, auch auf die jeweilige Klassenstufe Rücksicht zu nehmen. Für Grundschüler:innen ist der morgendliche Sitzkreis ein schöner Austausch, für pubertierende 15-Jährige vermutlich eher unbeliebt oder langweilig.

Grundschulkinder lieber bändigen oder aufwecken?

Für jüngere Kinder kann es durchaus hilfreich sein, sich 10-15 Minuten Zeit am Morgen zu nehmen, um in der Klasse „einzuchecken“ und die Pläne für den Unterricht oder Erlebnisse des gestrigen Tages zu besprechen. Ob es sich um den klassischen Stuhlkreis oder eine Ansammlung von gemütlichen Kissen auf dem Boden handelt, ist hierbei zweitrangig. Viel wichtiger ist es, den Kindern Stabilität und Gewohnheit zu vermitteln und sie auf die bevorstehende Konzentrationsphase einzustimmen.

Gerade im Grundschulalter sind viele Kinder schnell abgelenkt und teilweise noch an die spielerischen und freien Strukturen aus dem Kindergarten oder von zuhause gewöhnt. Durch leise Hintergrundmusik, ein gemeinsam gesungenes Morgenlied oder auch tägliches Hören von Teilen eines Hörbuchs können vor allem jüngere Kinder besser zur Ruhe kommen. So verbinden eure Schüler:innen den Schulstart direkt mit etwas Schönem und fühlen sich nicht gleich am Morgen von Zahlen, Buchstaben und Fragen erschlagen. Es kann auch im Voraus über ein spezielles Buch abgestimmt werden, aus dem in den folgenden Wochen jeden Morgen einige Seiten vorgelesen werden. Dabei könnt ihr eure Schüler:innen entweder auffordern, es sich mit dem Kopf auf dem Tisch gemütlich zu machen oder auch Mandalas zum Ausmalen austeilen.

Wer eine besonders müde Klasse vorfindet, kann auch versuchen, motivierend auf die Schüler:innen einzuwirken. Durch Bewegung zu Musik, kleinen Sporteinheiten, Dehnübungen oder vorab vereinbartes „Rumalbern“ werden die Kinder wachgerüttelt und bringen ihren Kreislauf in Schwung. Hierzu finden sich zahlreiche kurze Videos auf Youtube, die genutzt werden können. Natürlich könnt ihr auch gemeinsam mit eurer Klasse überlegen, auf welche Form von Bewegung die meisten Lust haben und euch ein eigenes Konzept ausdenken. Hier sind der kindlichen Fantasie keine Grenzen gesetzt: Von Tanz und Gesang über Hampelmänner, Lachyoga oder einer kurzen Runde über den Schulhof ist alles erlaubt, solange es den zeitlichen Rahmen nicht sprengt. Auch kurze Spiele können für Auflockerung sorgen und die Kinder vor dem Unterricht in der Schule ankommen lassen.

Doch Vorsicht! Hier gilt es, seine Schüler:innen gut einschätzen zu können. Während manche Klassen von einer aktiven Morgenroutine mit viel Bewegung und Spaß profitieren, könnte anderen Klassen der Weg zum konzentrierten Arbeiten durch zu viel Albernheit möglicherweise erschwert werden. Ob ihr eure Schüler:innen entspannen wollt oder doch lieber wachrüttelt, bleibt euch überlassen. Hier gilt es, im Zweifelsfall unterschiedliche Taktiken auszuprobieren und mit den Schüler:innen ehrlich zu kommunizieren, was für sie und euch gut oder weniger gut funktioniert hat. Natürlich kann eine gelegentliche Bewegungseinheit auch nur ab und zu stattfinden und muss nicht Einzug in den täglichen Ablauf halten.

Und was ist mit den Älteren?

In höheren Klassenstufen bis zur Oberstufe gestaltet sich die Kommunikation über einen passenden Start in den Schultag wahrscheinlich etwas einfacher. Viele Schüler:innen kennen sich selbst schon recht gut und können Vorschläge machen, wie sie sich das Ankommen am Morgen wünschen würden. Solange nur die ersten paar Minuten des Unterrichts beansprucht werden, lohnt es sich, den Schüler:innen hier möglichst viele Freiheiten zu bieten. Bei weniger kreativen Klassen können natürlich auch verschiedene Routinen vorgeschlagen werden.

Ein schönes Ritual wäre zum Beispiel das gemeinsame Lesen von Good News, um den Schüler:innen einen positiven Start zu bieten. Da aktuell immer mehr Jugendliche von psychischen Problemen belastet sind, kann eine regelmäßige Fokussierung auf positive Nachrichten aus der Welt vielleicht ein Stück weit Hoffnung geben und motivieren. Natürlich kommt diese Methode schnell an ihre Grenzen und wenn ihr das Gefühl habt, einer/m Schüler:in geht es über längere Zeit spürbar schlecht, solltet ihr selbstverständlich anderweitige Unterstützung anbieten.

Wenn seitens der Klasse Offenheit für das Thema Meditation besteht, kann auch eine 5-minütige Morgenmeditation helfen, die Gedanken zu sortieren und sich auf den Tag einzustellen. Hier kann besonders im Winter, wenn es morgens noch dunkel ist, eine Lichterkette oder eine Kerze auf dem Pult für eine gemütliche Stimmung sorgen. Auch hier heißt es, flexibel bleiben. Wenn die Mehrheit der Klasse Lust auf eine gemeinsame Meditation hat, einzelne Schüler:innen aber nicht überzeugt sind, kann schnell Unruhe aufkommen. Es sollten in jedem Fall Ausweichoptionen gestellt werden, wie eigenständiges Musikhören über Kopfhörer oder Malen. Das Thema Meditation ist eher für ältere Schüler:innen und kleinere Klassen geeignet, weil aufkommende Störfaktoren wie Kichern oder Langeweile hier schnell ablenken. Wie immer also, ausprobieren, kommunizieren und gegebenenfalls Alternativen suchen.

Immer eine gute Möglichkeit, in den Schultag zu starten, ist die Wiederholung der Inhalte aus der letzten Stunde. Hier kann es sich lohnen, einige Minuten dafür einzuplanen und nicht nur in wenigen Sätzen das Thema wieder aufzugreifen. Dadurch kommen die Schüler:innen zuerst mit etwas Vertrautem in Kontakt und können gleich am Morgen ein kleines Erfolgserlebnis wahrnehmen, wenn bekannte Informationen noch einmal aufgefrischt werden. Das Ganze lässt sich auch interaktiv gestalten, indem die Schüler:innen aufgefordert werden, sich entweder in kleinen Gruppen oder in der Klassengemeinschaft das Erinnerte gegenseitig zu erzählen und über mögliche Lücken zu sprechen. Hier bietet sich euch als Lehrkraft eine gute Möglichkeit, zu schauen, ob das letzte behandelte Thema wirklich verinnerlicht wurde oder vielleicht noch Nachholbedarf besteht.

Wichtig ist es hier allerdings, dass keinesfalls eine „Abfragesituation“ entsteht und Schüler:innen befangen sind, Wissenslücken zu äußern. Vielmehr sollte ein Gespräch zwischen den Schüler:innen gefördert werden und die Lehrkraft einfach beobachten. Ansonsten könnten Ängste vor eurem Unterricht und eine geringere Motivation die Konsequenz sein.

Fazit: Flexibel bleiben und ausprobieren

Wie man sieht, ist das A und O bei der Suche nach einer geeigneten Methode für einen entspannten Unterrichtsstart, seine Klasse zu kennen und vor allem auch mit einzubeziehen. Wenn Schüler:innen selbst die Möglichkeit haben, Ideen und Vorschläge einzubringen, sind sie auch eher motiviert, diese zu verfolgen. Ob nun Bewegung und Spaß, Ruhe und Entspannung oder einfach eine langsame Einführung in den Unterrichtsstoff für eure Klasse das Richtige ist, hängt maßgeblich vom Alter und der Zusammensetzung der Klasse ab. Einfach ausprobieren und auch durch kleine Misserfolge nicht entmutigen lassen. So findet ihr ganz bestimmt für jede Klasse einen geeigneten Start in den Schultag!

Wenn ihr auch schonmal darüber nachgedacht habt, euren Unterricht so entspannt und locker wie möglich zu beginnen oder sogar schon feste Routinen habt, lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

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