“Wie Gift für die deutsche Bildungspolitik” - Ein Gastbeitrag von Jon Buchmüller zur KMK

Von
Margerita Wolf
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26
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October 2023
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“Wie Gift für die deutsche Bildungspolitik” - Ein Gastbeitrag von Jon Buchmüller zur KMK

Jon Buchmüller gibt an, wo Mut, Selbstverständnis und politischer Wille fehlen. (Quelle: Privat)

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Margerita Wolf

Das Thema dieses Artikels unserer KMK-Themenwoche betrifft aktuelle Debatten rund um die Kultusministerkonferenz und die Kritik, die diesbezüglich geäußert wird. Im Rahmen dessen hat sich Jon Buchmüller dazu bereit erklärt, einen Gastbeitrag für uns zu schreiben. 

Die Kultusministerkonferenz: 16 egoistische Kämpferinnen und Kämpfer

Seit 1948 beeinflusst die Kultusministerkonferenz (KMK) die deutsche Bildungspolitik maßgeblich. 75 Jahre später sehen wir, wo wir stehen: keine Chancengerechtigkeit bei Bildungswegen, hoher Leistungsdruck und ein veraltetes Bild von Leistung, kein Verständnis von einer Lernkultur im 21. Jahrhundert, kein besonderes Augenmerk auf die Grundschulen, ein sich zunehmend verschlimmernder Lehrkräftemangel, nicht genügend Freiheiten für die einzelnen Schulen, marode Schulgebäude, fehlende ganzheitliche Digitalisierung und nicht zukunftsweisende Unterrichtsinhalte. Auch wenn das nur einige Problemfelder sind, spiegeln diese aktuell den durchschnittlichen Schulalltag in Deutschland gut wieder. Welche ganzheitlichen Lösungsvorschläge fallen der KMK hierzu ein? Keine!

Stattdessen kristallisiert sich die KMK als eine ideenlose Bürokratie-Konferenz heraus. Zuletzt gesehen haben wir es bei den ewig andauernden Verhandlungen über das Startchancenprogramm zur Förderung von Chancengerechtigkeit der Bundesregierung. Schlussendlich gab  es zwar eine Einigung der Bundesländer mit der Bundesregierung, dennoch hat die KMK hier entscheidende Zeit verspielt. Zeit, die wir uns in einer drastischen Bildungskrise nicht mehr leisten können. 

Schnell wird klar: Wenn es den 16 Kultusministerinnen und -Ministern der Bundesländer nicht gelingt, eine grundlegende Reform ihres eigenen Gremiums in die Wege zu leiten, ist die KMK zweifelsohne ein Auslaufmodell in der Bildungspolitik. 

Auch bei der Vereinheitlichung der Bildungsabschlüsse und schulischen Standards, man meint, ein bundesländerübergreifendes Gremium sei hierfür prädestiniert, versagt das Gremium gnadenlos. Ein echter Wille, dass Schulabschlüsse schrittweise in allen Bundesländern die gleiche Wertigkeit erhalten, ist nicht zu spüren. Die Ministerinnen und Minister wissen eben nicht, was sie wirklich wollen. 

Keine Frage, die Anpassung der 16 innerdeutschen Bildungssysteme ist eine Mammutaufgabe. Angleichung von Kontingentstundentafeln und Lehrplänen, die Lehrkräfteaus- und Weiterbildung oder auch die Frage: Grundschule bis zur vierten oder bis zur sechsten Klasse? Hier fehlt ein klares Signal der KMK, was der politische Wille ist. 

Für klare Signale ist das Gremium ohnehin nicht bekannt. So fehlt den Ministerinnen und Ministern an entscheidenden Stellen der Mut, ein Aufbruch ins Neue zu wagen. Neuen Lernmethoden, neuen Lernkulturen und Best-Practice-Beispielen im eigenen Land Aufmerksamkeit zu schenken und diese Ideen zu skalieren.

Hier fehlen der KMK neben dem Mut zwei weitere essenzielle Eigenschaften. Zum einen das richtige Selbstverständnis über die eigene Rolle und zum anderen die Bereitschaft, über den Tellerrand hinauszuschauen. Im In- und Ausland gibt es schon jetzt zahlreiche Beispiele, wie Bildung und Lernen im 21. Jahrhundert anders funktionieren kann. Indes ganz ohne die Probleme, welche oben aufgelistet sind. Belegt wird uns das nicht nur durch eine Vielzahl an Studien, welche zumeist die skandinavischen Länder loben, sondern auch durch eine Zunahme an Leuchtturmschulen in ganz Deutschland. Eine Zunahme an Schulen, wo Lehrkräfte, Eltern, Schulleitungen und Verwaltungspersonal mit der Zielgruppe von guter Bildung, den Schülerinnen und Schülern, gemeinsam an individuellen Lösungen für ihre Schulen arbeiten. 

Hier kommt die Rolle der KMK ins Spiel: Denn vielmehr sollte diese als bundesweites Netzwerk aus Problemlösern fungieren. In Klassenarbeiten gilt dieses Motto noch nicht, doch hier muss es bereits gelten: Abschauen erlaubt. Abschauen in anderen Ländern und Bundesländern. Sicherlich gibt es viele Schulen, die Lösungen gefunden haben, um beispielsweise mit den wachsenden bürokratischen Wänden im Schulsystem umzugehen oder eine gewinnbringende Kommunikation mit Eltern zu pflegen. Was das angeht, müssen Bildungseinrichtungen von- und miteinander Lernen. Vernetzt durch ein Netzwerk an Problemlösern kann effizient an Problemen gearbeitet werden. Wäre das nicht eine sinnstiftende Aufgabe für die KMK?

Denn nur dann wird der eigentliche Mehrwert des bundeslandübergreifenden Gremiums endlich gelebt: Das durch Lernen von und mit anderen Bundesländern resultierende gemeinsame Handeln. Schlicht und ergreifend die agile Zusammenarbeit. Bisher ähnelt die Bürokratie-Konferenz vielmehr einem Zusammenschluss aus 16 egoistischen Kämpferinnen und Kämpfern. Doch kämpfen tun sie nicht zum Wohle der Leidtragenden des aktuellen trägen Systems, das sind vor allem Schülerinnen und Schüler, sondern zum Wohle des eigenen Status. Agile Zusammenarbeit? Fehlanzeige!

Wenn das eigene Ego der 16 Ministerinnen und Minister sowie deren Parteibuch, aktuell ist dies der Fall, im Vordergrund steht, wirkt das wie Gift für die deutsche Bildungspolitik. Daher wird dringend ein interparteilicher Konsens der demokratischen Parteien zu Eckpunkten der Bildungspolitik benötigt. Nur dadurch kann eine gewinnbringende Arbeit der KMK auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten in stetig wechselnder parteilicher und personeller Besetzung garantiert werden.

Insgesamt muss die Kultusministerkonferenz also einen Paradigmenwechsel durchleben. Einen ganzheitlichen Paradigmenwechsel auf den hier angesprochenen zahlreichen Ebenen.

Zum Schluss möchte ich ein einziges Mal in diesem Gastbeitrag über mich sprechen: Vor knapp einem Jahr, im Oktober 2022, durfte ich eine für mich bis heute enorm prägende Erfahrung sammeln: Der Besuch des Learnlife Centers in Barcelona. Der Besuch hat mir gezeigt: Ganzheitlich funktionierendes Lernen im 21. Jahrhundert geht auch, aber irgendwie auch nur radikal anders. Mehr als je zuvor wurde mir das bewusst. Daher meine ganz persönliche Empfehlung an alle 16 egoistischen Kämpferinnen und Kämpfer: Ein Besuch im Learnlife Center in Barcelona. Eines kann ich Ihnen versprechen: Danach gibt es Sie, die 16 egoistischen Kämpferinnen und Kämpfer nicht mehr! Ab dann werden Sie gemeinsam kämpfen! Gemeinsam für alle Schülerinnen und Schüler!

Wir bedanken uns bei Jon für seinen Beitrag. Gastbeiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Zum Autor

Jon Buchmüller ist 17 Jahre alt und kommt aus Vaihingen an der Enz. Durch seine Teilnahme am Wettbewerb Jugend debattiert auf Landesebene in Baden-Württemberg wurde sein politisches Interesse nachhaltig geweckt. Daraufhin folgte ein zweijähriges Engagement als Schülersprecher am Stromberg-Gymnasium in Vaihingen an der Enz. Hier legte Buchmüller im Juni 2023 sein Abitur ab. Parteipolitisch ist er nicht nur bei den Liberalen Schülern in der Bundesarbeitskreisleitung und im Landesvorstand Baden-Württembergs, sondern auch auf verschiedenen Ebenen bei der FDP engagiert. Zudem war er bis zum  Oktober 2023 Mitglied im beratenden Kuratorium des educon Bildungsgipfels der Rhein-Neckar-Region. 

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